Dez 3 2011

Rainer Calmund

The Voice of Germany

Von Rainer Calmund ist man ja einiges gewöhnt. Der ehemalige Bayer-04-Leverkusen-Geschäftsführer lässt kaum eine Möglichkeit aus, sich im Fernsehen zu präsentieren. Dabei gibt er in der Regel den liebenswürdigen Tanzbären, der mit rheinischem Zungenschlag Fußballweisheiten vorträgt und wunderbar selbstironisch Witze über seine Korpulenz macht oder machen lässt. In der glattgebügelten TV-Welt stellt er gewissermaßen das gute Gewissen aller Adipösen dar, die vor dem Fernseher sitzen und sich sagen können: „Furchtbar dieser Schlankheitswahn. Der Calli zeigt doch, dass man auch mit ein paar Pfunden mehr glücklich sein kann.“ Und dabei vermutlich insgeheim denken: „Also, so schlimm wie bei dem is´ es bei mir zum Glück noch nicht.“

So war es nur eine Frage der Zeit, dass Calli die Volksmusikbranche als Marktlücke entdecken würde. Beim „Adventsfest der 100000 Lichter“ hatte er am vergangenen Wochenende seine Premiere als „Sänger“. So zumindest kündigte Moderator Florian Silbereisen den ehemaligen Fußballfunktionär an. In der Abmoderation, die auf dem unten zu sehenden Mitschnitt leider nicht enthalten ist, gab es neben den üblichen Dickie-Witzen das Bekenntnis, dass Calli ganz schön aufgeregt gewesen sei, er aber kräftig geübt habe, um sich auf dem für ihn neuen Feld nicht zu blamieren. Außerdem habe er fünf Kinder und drei Enkelkinder, weswegen er bei Kinderliedern besonders textsicher sei.

Die Begriffe „textsicher“ und „Sänger“ sollte man beim Anschauen der Silbereisen/Calmund-Version von „In der Weichnachtsbäckerei“ im Hinterkopf behalten.

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Amien unter haltsam | Ein Kommentar


Nov 30 2011

Faggesai!

»Morgen, Kinder, wird’s was geben!« Selten hat ein Weihnachtslied besser gepasst, als am heutigen Tag. Denn morgen, am 1. Dezember, öffnet ein eigentlich unglaubliches Musik-Archiv seine Pforten. Alles, was es da zu hören gibt, stammt nur von einer einzigen Band: Fugazi. (Oder eben Faggesai, wie sich ein Gast dereinst bei einem Aachener DJ wünschte.) Über 1000 Shows haben die Jungens zwischen 1987 und 2003 gespielt. Etwa 800 davon sind durch den Toningenieur der Band aufgezeichnet worden. Und dieses Material wird jetzt peu a peu unter das Fanvolk gebracht. »Fugazi Live Series« nennt sich das Ganze, das mit erst einmal 130 Konzerten anfängt, im Laufe der nächsten Monate ergänzt wird und auf der Seite ihres Plattenlabels Dischord stattfindet. Womit wir dann beim schlechten Teil der Nachricht wären: Umsonst gibt es da nichts. 5$ sind der empfohlene Preis pro Auftritt. Wer es gerade nicht passend hat, kann scheinbar auch weniger bezahlen – oder mehr. Und so war das mit Fugazi live zum Beispiel im Jahr 1991. (Das entsprechende Konzert steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Ich habe schon nachgeschaut.)

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Nov 16 2011

Sonic Feierabend?

Vor ein paar Wochen haben Kim Gordon und Thurston Moore bekanntgegeben, dass sie sich trennen werden. Die Zukunft von Sonic Youth sei somit erst einmal ungewiss. Zumindest die aktuelle Tournee werde man noch zu Ende spielen. Am Montag hat eben diese Tournee ihren Abschluss in Sao Paulo gefunden. Es kann also gut sein, dass diese Aufnahmen das letzte Konzert in der langen Geschichte einer (in meinen Augen) sehr wichtigen Band zeigen. Das aber immerhin in voller Länge. (Und als Playlist gibt es das Ganze dann hier.)

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Nov 15 2011

Occupy Platanen

Wenn Bürger „Wood” haben

© Roberto Verzo

„Yes we can“ schmetterte es uns vor drei Jahren von allen demokratischen US-Wahlkampfbühnen entgegen. Der Slogan des heutigen Präsidenten Barack Obama elektrisierte zunächst seine Anhänger und nervte dann aber zusehends, weil jeder, aber auch wirklich jeder ihn okkupierte. Negativer Höhepunkt dürfte wohl die Schmacht-Schnulze „Yes we can“ von Howard Carpendale gewesen sein.

Apropos okkupieren. Das scheint wohl der nächste Kandidat für ein globalisiertes Schlagwort zu sein. … weiter

Amien unter irdisch | 2 Kommentare


Nov 4 2011

Up in the Air

© Metaplot

Von Drachen und Menschen

Katzen, Mainzelmännchen und Blumentöpfe. So ziemlich alles lässt sich mit viel Strömungswiderstand und ein wenig Wind in die Luft bringen und dann als Drache bezeichnen. Das ist die eine Erkenntnis des Treffens der Drachenfreunde Euregio, das am vergangenen Wochenende zahlreiche Drachen und Zuschauer nach Orsbach gelockt hat. Die andere Erkenntnis ist die, dass Kinder durchaus wettbewerbswillig sind, wenn man ein geeignetes Ambiente schafft.

© Metaplot

Zum Beleg für die erste Erkenntnis müssen die angefügten Bilder reichen. Die zweite bedarf der Erläuterung. Unter dem Motto „Öcher Printen lernen fliegen“ hielten die Drachenfreunde eine Kinderbelustigung bereit, die auch passivsportbegeisterten Erwachsenen Freude bereitet. An einem mit Sparkassen-Emblem versehenen Drachen wurden Printen, Schlüsselanhänger und anderer Tinnef in die Luft gebracht. Ein Mechanismus sorgte dafür, dass sich die Leckereien schließlich vom Transportgefährt lösten und an kleinen Fallschirmen Richtung Erde segelten. Unten warteten zahlreiche Heranwachsende, die abhängig von ihrer Fähigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit korrekt einzuschätzen und ihrem Durchsetzungsvermögen, mehr oder weniger von den Gaben aus der Luft profitierten.

© Metaplot

Aufgrund wechselnder Winde schob sich der Kinderpulk auf der gesamten Wiese hin und her – immer in Richtung erwarteter Landezone. Während die jüngeren Fänger Printen und Schokolade favorisierten, spezialisierten sich die Ü-Zehnjährigen auf die Schlüsselanhänger, die mangels Fallschirm eine deutlich kürzere Flugbahn nahmen. Hier versammelten sich auch die meisten erwachsenen Zuschauer, die großen Spaß daran hatten, Latoya und Torben-Lasse dabei zu beobachten, wie sie sich in die Enden desselben Schlüsselanhängers verbissen und darüber den nächsten Start des Sparkassen-Drachen verpassten. Noch interessanter war es, die Eltern der Gladiatoren zu beobachten. Hin- und hergerissen zwischen den beiden Erziehungsmaximen, „Gewalt ist keine Lösung“ und „Kinder müssen Streiten lernen“, waren sie stets auf dem Sprung, um blutige Eskalationen zu vermeiden oder gegebenenfalls den Schlüsselanhänger der eigenen Brut zu verteidigen.

Insgesamt also sowohl aus soziologischer als auch aus aeronautischer Sicht ein rundum gelungener Sonntagsausflug.

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Amien unter haltsam | Kein Kommentar


Nov 4 2011

Vinylmania

(CC-BY-NC-SA) metaplot

Das Knistern und Knacken, der warme Klang, das Anfassen des Covers: Fragt man Liebhaber der Schallplatte, warum sie in Zeiten digitaler Wiedergabemöglichkeiten immer noch auf ihre analogen Schätzchen setzen, bekommt man verschiedenste Antworten, die aber alle in die selbe Richtung gehen. LP, 10″ oder Single vermitteln Gefühle, die weit über das hinausgehen, was CD oder gar MP3-Player auslösen. Und ja, ich bin der selben Meinung. Darum wundert es mich auch nicht wirklich, dass die schwarzen Scheiben wieder im Kommen sind. Mehr und mehr Künstler lassen ihre Werke auch auf Vinyl (oder in Vinyl?) pressen.

Paolo Campana ist DJ, Plattensammler und seit neuestem auch Filmemacher. In seiner Doku »Vinylmania« geht er der Renaissance der Schallplatte auf die Spur. Und hat dafür die halbe Welt bereist. Paris, Prag, Tokio, San Francisco, New York: Überall hat er Vinylenthusiasten gefunden und mit ihnen gesprochen. Das Ergebnis gab es gestern auf »arte« zu sehen. Die nächsten paar Tage kann man es also noch in deren Mediathek anschauen. Wem der Weg bis dahin zu weit ist, der kann sich auch hier bedienen lassen. Viel Spaß.

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Okt 21 2011

Hoch hinaus

© metaplot

Gestern hatte ich das Glück, auf den Granusturm am Aachener Rathaus klettern zu dürfen. Dort oben fand ein Pressetermin statt, bei dem vom Ende der Dachdeckerarbeiten berichtet wurde. Während der Arbeiten ist das Gerüst allerdings auch zu Forschungszwecken gebraucht worden. Diverse Fachrichtungen der RWTH haben das Mauerwerk des Turmes ordentlich unter die Lupe genommen. Während alle Interessierten hier mehr nachlesen können, zeige ich ein paar Bilder, die ich da oben in etwa 35 Meter Höhe gemacht habe. Und ja: Die Fotos könnten schöner sein. Ich bin eben Schreiber und nicht Fotograf.

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Und wo ich gerade schon beim Knipsen war, habe ich nach meinem Abstieg ein paar Meter weiter gleich noch mal drauf gehalten. Ohnehin komme ich um den Dom nur ganz selten herum, ohne ein Bild zu machen. Der ist halt ein unheimlich fotogenes Gebäude.

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Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Okt 13 2011

Verstehste?

Das klang jetzt ganz schön nach Englisch, oder? War es aber nicht. Dieser Kurzfilm namens »Skwerl« täuscht die Sprache nur vor. Ich fühlte mich spontan an die Zeit erinnert, als ich trotz fehlender Sprachkenntnisse alle Charthits lauthals mitgesungen habe. Den schönsten Kommentar zu dem Film habe ich bei YouTube gelesen – von einem Muttersprachler:

»Wait, this was in fake english?! I gotta lay off the weed, I understood everything.«

Und gefunden habe ich das Ganze bei Neatorama. Dä.

Christoph unter haltsam | 4 Kommentare


Okt 8 2011

Kurze Fuffzehn

Vor geraumer Zeit haben wir (unter anderem) hier mal ein paar Filmchen herumgezeigt, die (a) in der Stop-Motion-Technik aufgenommen worden waren und uns (b) ganz besonders gut gefallen haben. Der gleich folgende Anderthalbminüter passt ganz gut in diese Reihe. Und weil es dazu nicht mehr zu erzählen gibt, lasse ich es auch bleiben.

Christoph unter haltsam | Ein Kommentar


Okt 6 2011

Achtung, Achtung!

© metaplot

Große Teile des vergangenen Wochenendes habe ich in Essen verbracht. Das Bochumer Plattenlabel »Denovali« hatte in der dortigen Weststadthalle zu seinem jährlichen »Swingfest« geladen, einem mittlerweile dreitägigen Festival voller experimenteller Musik. Und weil dabei die komplette Bandbeite von Knirschen & Knacken bis hin zu Ballern & Braten bedient wird, dürfte für so ziemlich jeden Interessierten etwas dabei gewesen sein. Ich jedenfalls habe eine Menge Spaß gehabt mit Jazz, Doom, Ambient, Postrock, Metal oder wie man die ganze Musik sonst noch klassifizieren möchte. Statt eines Konzertberichts – das ist einfach nicht mein Metier – folgt jetzt allerdings nur ein kleines Anekdötchen vom späten Sonntagabend.

Zum krönenden Abschluss der Veranstaltung haben Sunn O))) gespielt – vier Kerle in Mönchskutten, die in einem komplett vernebelten Saal über eine Stunde lang Akkorde und Schreie wabern ließen, deren Lautstärke im wahrsten Sinne des Wortes durch Mark und Bein ging. Teile ihres Auftritts kann man hier, hier und hier bei YouTube ansehenhören. Wahrscheinlich erweise ich mich mal wieder als Banause, wenn ich jetzt zugebe, dass ich das Ganze nicht verstanden habe. (Mitfahrer Uwe hatte auf dem Heimweg eine interessante Theorie, die ich jetzt einfach mal ungebremst wiedergebe: »Das ist weniger Musik als Performance-Kunst. Sunn O))) dekonstruieren damit den Metal, führen ihn an seine Grenze. Langsamer geht nicht, lauter auch nicht. Und das Outfit ist in seiner überspitzten Symbolik kaum zu toppen.«) Nach einer knappen halben Stunde habe ich die Segel gestrichen und mich vom Veranstaltungssaal in den Raum mit der Theke begeben. Und da habe ich dann festgestellt, dass die Haustechnik das Ganze auch nicht verstanden hat. Aber hört doch einfach selbst.

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar