Dez 18 2012

Keine Eile

Wer zu diesem Konzert möchte, muss sich nicht unbedingt beeilen. Die Aufführung des Stücks »Organ²/ASLSP« aus der Feder des US-amerikanischen Komponisten, Klangexperimentalisten und was nicht sonst noch alles John Cage (1912-1992) in der Burchardikirche zu Halberstadt hat zwar schon vor einiger Zeit begonnen. Sie wird aber auch noch eine ganze Weile andauern. Denn »ASLSP« steht für: as slow as possible. Mit der Frage, wie langsam denn »so langsam wie möglich« tatsächlich ist, beschäftigen sich Musikwissenschaftler und Orgelbauer, seit Cage dieses Stück Mitte der 80er Jahre erschaffen hat. Und weil deren Beantwortung weit über Musiktheorie und Spieltechnik hinausgeht, haben sich längst auch Theologen und Philosophen ihrer angenommen. Schließlich tangiert »Organ²/ASLSP« auch Aspekte, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. Was ist Zeit? Was die Ewigkeit? Im Grunde wäre das Spielen dieses Stücks bis in die Unendlichkeit hinein denkbar. So sagt zumindest die Theorie.

In der Praxis wollen es die Menschen hinter dem John-Cage-Orgel-Kunstprojekt in Halberstadt allerdings nicht übertreiben. 639 Jahre, so meinen sie, sollen fürs Erste reichen. Dieses Alter hatte die Domorgel auf dem Buckel, als auf ihr im September 2001 der erste Ton der Cage-Komposition erklang. Ebenso viel Zeit soll nun während dessen Aufführung vergehen. Aufs große Ganze betrachtet, hat das Konzert also gerade erst begonnen. Aktuell wird Impuls 13 gespielt, ein mäandernder Dreiklang aus a, c und fis. Der nächste Klangwechsel ist für den 5. Oktober 2013 vorgesehen. Sollte man es dienstags bis sonntags zwischen 12:00 und 16:00 Uhr nicht in die Burchardikirche schaffen, lässt sich der aktuelle Ton auch im Internet anhören.

Christoph unter falscher flagge | Kein Kommentar


Dez 10 2012

Happy Löhrsday

Der Countdown tickt

© Metaplot

Gleich zwei Mal wird dieser Tage im nächsten METAPLOT-Umfeld Geburtstag gefeiert. Ende November jährte sich der METAPLOT-Startschuss zum vierten Mal. In Zeiten, in denen aufgrund von Finanz- und Staatsschuldenkrise grenzenloses Wachstum zu Recht infrage gestellt wird, verbuchen wir die zähe Entwicklung der Besucherzahlen als Erfolgsgeschichte. Klickgier und Medienhype. Damit kann und will METAPLOT nichts zu tun haben.

Viel wichtiger ist auch der zweite Jubeltag. Christoph wird 39. Und zwar genau heute. An Dramatik gewinnt dieses Wiegenfest dadurch, dass es der letzte Geburtstag eines METAPLOTERS mit der inzwischen liebgewonnenen 3 am Anfang ist. Im kommenden Jahr werden wir alle 40. Das Schöne ist, dass unser Nesthäkchen aufgrund der Gnade der späten Geburt noch ein Jahr Zeit hat. Und so lange nicht jeder von uns 40 ist, dürfen auch wir anderen uns ein wenig wie 39 fühlen. Danke dafür.

METAPLOT unter den nägeln | Ein Kommentar


Sep 20 2012

Flaggen-Ökonomie

Wirtschaftliche Perspektiven für den islamischen Raum

© pooyan

Alles, aber auch wirklich alles ist schmähvideo-technisch inzwischen besprochen worden. So scheint es zumindest. Denn ein Aspekt wurde in der öffentlichen Debatte um den Film „Die Unschuld der Muslime“ bislang sträflich vernachlässigt. Nennen wir es die Flaggen-Ökonomie. Denn eines ist klar, neben extremistischen Hetzern dürfte sich vor allem eine Branche über den Gewaltausbruch gefreut haben: das flaggenproduzierende und -handelnde Gewerbe. … weiter

Amien unter schätzt | Ein Kommentar


Aug 21 2012

Kurze Zwischenfrage

Würdet Ihr Eure belichteten Filme/Speicherkarten diesem Laden zum Entwickeln/Bearbeiten anvertrauen?

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Aug 18 2012

Lieblingslied # 4

Die verbitterte Abrechnung

© florianplag

Die Laufbahn von MC Rene als Karriere zu bezeichnen wäre vermutlich übertrieben. Der Rapper aus der Nicht-Gerade-Hip-Hop-Hochburg Braunschweig ist ein Kind der ersten deutschen Reimgeneration. Er verdiente sich Anfang der 90er Jahre erste Sporen auf Jams und galt ganz kurz als das nächste große Ding – in einer Zeit wohlgemerkt, in der es was deutschen Rap angeht viele nächste große Dinger gab. Es folgten fünf Alben, Moderationen mit Oliver Pocher sowie beim Hip-Hop-Magazins Mixery Raw Deluxe und eine Kollaboration mit DJ Tomekk, die ihn wohl das letzte Stück Szenen-Credibilität verlieren ließ. Alles in allem also nicht der Rede wert.

Wenn es da nicht „Die Enthüllung“ aus dem Jahr 2005 gäbe. Ein Stück, das rückblickend als eine Art letztes Aufbäumen verstanden werden kann. Reen, so nannte er sich inzwischen, war Ende Zwanzig und schien den Traum davon, es doch noch einmal mit der Musik zu schaffen, noch nicht aufgegeben zu haben. Er packte seine ganze Wut über dissende Kollegen und die Ungerechtigkeiten der Branche, wenn nicht der ganzen Welt, in den Track und ließ seine „Karriere“ Revue passieren. Unterbrochen wird die Abrechnung lediglich von Zwischenansagen des damals aufstrebenden und äußerst credibilen Sido. Herausgekommen ist „Deutschlands längster Solotrack“, der obwohl oder gerade weil er so selbstgerecht und verbittert ist, zu Herzen geht.

Und was macht MC Rene  jetzt? Vor zwei Jahren kündigte er sowohl seinen Job im Callcenter als auch seine Wohnung, kauft sich eine Bahncard 100 und reiste als Hip-Hop-Comedian durch Deutschland. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben und – man glaubt es kaum – auch wieder einen Track aufgenommen. Das Leben ist und bleibt eben ein Struggle. (Bildquelle: Flickr)

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Amien unter schätzt | Kein Kommentar


Aug 14 2012

Doppelpack XII

Die Universal-Biografie

© loop_oh

Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Nach Ansicht vieler Philosophen ist es vor allem das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit, die der homo sapiens seinem tierischen Verwandten voraushat. Wobei unser heutiger Doppelpack zeigt, dass dieses Wissen eher Fluch als Segen ist. Denn wer vom Ende weiß, kann sich bis zu selbigem allerhand Gedanken über Sinn und Unsinn des Lebens machen. Sowohl bei „The Godfathers“ als auch bei „Blumentopf“ schlägt das Pendel eindeutig in Richtung Unsinn aus. Den Paten aus London verdanken wir mit der Textzeile „Birth, School, Work, Death“ die wohl kürzeste und universalste Biografie der Musikgeschichte. Und bei Blumentopfs „Manfred Mustermann“ läuft es im Prinzip aufs Gleich hinaus, wenn die Münchener dafür auch deutlich mehr Worte benötigen. Klar ist auch, dass man auf solche Stücke von Kühen, Ziegen & Co. bislang vergeblich gewartet hat. (Bildquelle: Flickr)

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Amien unter bewusst | Kein Kommentar


Jul 7 2012

Der CHIO-Gefahrensucher

Volker Lang, der Rex Kramer Aachens

YouTube Preview ImageErinnert sich noch jemand an Rex Kramer? Nebenberuf: Flugzeugmechaniker. Hauptberuf: Gefahrensucher. Im Kentucky Fried Movie beweist der weiße Kramer ziemlich sinnfrei Mut, indem er am denkbar ungünstigsten Ort laut das N-Wort brüllt.

Aachens Rex Kramer heißt Volker Lang. Er produziert und verkauft Taschen und Portemonnaies. Das tut er seit November 2011 in einem neuen Geschäft am Aachener Hansemannplatz, das sich dieser Tage mit einem großen Pferdebild schmückt. So weit, so gewöhnlich zu CHIO-Zeiten. … weiter

Amien unter wandert | Kein Kommentar


Jul 3 2012

100 auf die Zwölf

Das ist Alex Chadwick von der Musikalienfachhandlung »Chicago Music Exchange«, oder zumindest sind das einige Teile von ihm: sein Oberkörper, seine Arme und Hände und nicht zuletzt seine 1958er Fender Stratocaster. Mit der spielt der gute Alex innerhalb von 12 Minuten sagenhafte 100 legendäre Riffs – in einem Take. Weil er das in chronologischer Reihenfolge tut, gibt er mit diesem Video einen ebenso schönen wie knackigen Überblick über die Geschichte des Rock ‘n’ Roll. Den Anfang macht er mit Chet Atkins’ »Mr. Sandman« und dann dürfte für so ziemlich jeden etwas dabei sein. Viel Vergnügen. Und bei Interesse findet Ihr weitere Informationen auf der Seite des Shops, für den Alex arbeitet.  (Bildquelle: Screenshot)

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Jun 1 2012

Hammer, wa?!

Aus dem Südwesten der Republik hat mich gestern ein Foto erreicht, das ich gerne hier mit Euch teilen möchte. Die Einsenderin ist damit einverstanden. Und einen kurzen Kommentar zum Bild hatte sie auch noch: »Klingt gar nicht so chemisch, oder?«

Vielen Dank, liebe Eva. Der eine oder andere Besucher unserer Seite wird bestimmt genauso viel Spaß an Deinem Bild haben, wie ich es gestern Abend hatte. Hier ist das gute Stück:

© Eva

Christoph unter haltsam | Ein Kommentar


Mai 31 2012

Doppelpack XI

Berlin, Berlin

© Metaplot

Ein Doppelpack der Gegensätze? (Hier noch einmal die Spielregeln unserer Doppelpack-Reihe) Nur scheinbar. Denn so diametral entgegengesetzt „Berlin“ von Ideal, als Ode an die Spreemetropole, und „Ich will nicht nach Berlin“ von Kraftklub, als Anti-Hauptstadtlied, auf den ersten Blick wirken, so sehr kommen sie durch den Faktor Zeit wieder zusammen.

Als Ideal 1980 „Wir stehen auf Berlin“ sangen, meinten sie nämlich das Berlin der bipolaren Weltordnung. Das Berlin, das als westdeutsche Enklave im roten Ostblock lag und somit der Inbegriff der Peripherie war. Die Peripherie, deren Antithese der Zentralismus ist, für den Berlin seit der Wiedervereinigung steht, und gegen den Kraftklub nicht nur in „Ich will nicht nach Berlin“ ansingen. Es schlägt also das gleiche Herz in den beiden Stücken. Und auch musikalisch lassen sich Parallelen entdecken. Bitte schön:

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Amien unter haltsam | Kein Kommentar