Es gibt da diesen Uralt-Witz, der vermutlich mehr über die Aachener aussagt, als über das Aachener Wetter:
Woran erkennt man in Aachen, dass der Sommer vor der Tür steht?“
„Der Regen wird wärmer.“
Dabei gibt es hier viel deutlichere Zeichen für den Beginn der warmen Jahreszeit.
Die Schlange vor einer der bekanntesten Eisdiele der Stadt etwa, die Ausmaße annimmt, die an UN-Hilfslieferungen in Notstandsgebiete erinnert. In direkter Nachbarschaft am Karlsgraben gelegen, reicht die Schlange der Eisdiele vormittags bis an die Jakobskirche. Bei meiner Rückkehr von der Arbeit ist sie nur unverhältnismäßig kürzer. Gestern Abend meine ich sogar zwei Personen ausgemacht zu haben, die am Morgen auch schon auf Eis gewartet hatten. Oder standen die immer noch da?
Gleich zwei Mal wird dieser Tage im nächsten METAPLOT-Umfeld Geburtstag gefeiert. Ende November jährte sich der METAPLOT-Startschuss zum vierten Mal. In Zeiten, in denen aufgrund von Finanz- und Staatsschuldenkrise grenzenloses Wachstum zu Recht infrage gestellt wird, verbuchen wir die zähe Entwicklung der Besucherzahlen als Erfolgsgeschichte. Klickgier und Medienhype. Damit kann und will METAPLOT nichts zu tun haben.
Viel wichtiger ist auch der zweite Jubeltag. Christoph wird 39. Und zwar genau heute. An Dramatik gewinnt dieses Wiegenfest dadurch, dass es der letzte Geburtstag eines METAPLOTERS mit der inzwischen liebgewonnenen 3 am Anfang ist. Im kommenden Jahr werden wir alle 40. Das Schöne ist, dass unser Nesthäkchen aufgrund der Gnade der späten Geburt noch ein Jahr Zeit hat. Und so lange nicht jeder von uns 40 ist, dürfen auch wir anderen uns ein wenig wie 39 fühlen. Danke dafür.
Erinnert sich noch jemand an Rex Kramer? Nebenberuf: Flugzeugmechaniker. Hauptberuf: Gefahrensucher. Im Kentucky Fried Movie beweist der weiße Kramer ziemlich sinnfrei Mut, indem er am denkbar ungünstigsten Ort laut das N-Wort brüllt.
Aachens Rex Kramer heißt Volker Lang. Er produziert und verkauft Taschen und Portemonnaies. Das tut er seit November 2011 in einem neuen Geschäft am Aachener Hansemannplatz, das sich dieser Tage mit einem großen Pferdebild schmückt. So weit, so gewöhnlich zu CHIO-Zeiten. … weiter
„Yes we can“ schmetterte es uns vor drei Jahren von allen demokratischen US-Wahlkampfbühnen entgegen. Der Slogan des heutigen Präsidenten Barack Obama elektrisierte zunächst seine Anhänger und nervte dann aber zusehends, weil jeder, aber auch wirklich jeder ihn okkupierte. Negativer Höhepunkt dürfte wohl die Schmacht-Schnulze „Yes we can“ von Howard Carpendale gewesen sein.
Apropos okkupieren. Das scheint wohl der nächste Kandidat für ein globalisiertes Schlagwort zu sein. … weiter
Katzen, Mainzelmännchen und Blumentöpfe. So ziemlich alles lässt sich mit viel Strömungswiderstand und ein wenig Wind in die Luft bringen und dann als Drache bezeichnen. Das ist die eine Erkenntnis des Treffens der Drachenfreunde Euregio, das am vergangenen Wochenende zahlreiche Drachen und Zuschauer nach Orsbach gelockt hat. Die andere Erkenntnis ist die, dass Kinder durchaus wettbewerbswillig sind, wenn man ein geeignetes Ambiente schafft.
Zum Beleg für die erste Erkenntnis müssen die angefügten Bilder reichen. Die zweite bedarf der Erläuterung. Unter dem Motto „Öcher Printen lernen fliegen“ hielten die Drachenfreunde eine Kinderbelustigung bereit, die auch passivsportbegeisterten Erwachsenen Freude bereitet. An einem mit Sparkassen-Emblem versehenen Drachen wurden Printen, Schlüsselanhänger und anderer Tinnef in die Luft gebracht. Ein Mechanismus sorgte dafür, dass sich die Leckereien schließlich vom Transportgefährt lösten und an kleinen Fallschirmen Richtung Erde segelten. Unten warteten zahlreiche Heranwachsende, die abhängig von ihrer Fähigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit korrekt einzuschätzen und ihrem Durchsetzungsvermögen, mehr oder weniger von den Gaben aus der Luft profitierten.
Aufgrund wechselnder Winde schob sich der Kinderpulk auf der gesamten Wiese hin und her – immer in Richtung erwarteter Landezone. Während die jüngeren Fänger Printen und Schokolade favorisierten, spezialisierten sich die Ü-Zehnjährigen auf die Schlüsselanhänger, die mangels Fallschirm eine deutlich kürzere Flugbahn nahmen. Hier versammelten sich auch die meisten erwachsenen Zuschauer, die großen Spaß daran hatten, Latoya und Torben-Lasse dabei zu beobachten, wie sie sich in die Enden desselben Schlüsselanhängers verbissen und darüber den nächsten Start des Sparkassen-Drachen verpassten. Noch interessanter war es, die Eltern der Gladiatoren zu beobachten. Hin- und hergerissen zwischen den beiden Erziehungsmaximen, „Gewalt ist keine Lösung“ und „Kinder müssen Streiten lernen“, waren sie stets auf dem Sprung, um blutige Eskalationen zu vermeiden oder gegebenenfalls den Schlüsselanhänger der eigenen Brut zu verteidigen.
Insgesamt also sowohl aus soziologischer als auch aus aeronautischer Sicht ein rundum gelungener Sonntagsausflug.
Gestern hatte ich das Glück, auf den Granusturm am Aachener Rathaus klettern zu dürfen. Dort oben fand ein Pressetermin statt, bei dem vom Ende der Dachdeckerarbeiten berichtet wurde. Während der Arbeiten ist das Gerüst allerdings auch zu Forschungszwecken gebraucht worden. Diverse Fachrichtungen der RWTH haben das Mauerwerk des Turmes ordentlich unter die Lupe genommen. Während alle Interessierten hier mehr nachlesen können, zeige ich ein paar Bilder, die ich da oben in etwa 35 Meter Höhe gemacht habe. Und ja: Die Fotos könnten schöner sein. Ich bin eben Schreiber und nicht Fotograf.
Und wo ich gerade schon beim Knipsen war, habe ich nach meinem Abstieg ein paar Meter weiter gleich noch mal drauf gehalten. Ohnehin komme ich um den Dom nur ganz selten herum, ohne ein Bild zu machen. Der ist halt ein unheimlich fotogenes Gebäude.
Vor ein paar Tagen habe ich darüber berichtet, wie subtil im Kindergarten meines Sohnes politische Lyrik vermittelt wird. Auf der Rückseite eines Schmierblattes fand ich das Gedicht »Dann gibt es nur eins!« des Pazifisten Wolfgang Borchert.
Gestern musste ich feststellen, dass der Kita-Lernplan sich keineswegs auf solche Laberfächer beschränkt, sondern auch trockenere Themen kindgerecht aufbereitet werden. Auf dem Stundenplan diesmal: Wirtschaftsrecht. KG, AG und GmbH werden den Zwei- bis Sechsjährigen näher gebracht. Und auch diese subtile Unterrichtseinheit scheint Auswirkungen auf die Kleinsten zu haben. … weiter
Erinnert sich jemand an den grandiosen Trailer zum letzten David Fincher »Social Network«? Piano-Einsatz, Pixel formieren sich langsam zum Bild einer jungen Frau mit Totenkopftattoo. Dann drei Twens, die an einem Auto lehnen. Partybilder. Der Button »Add a friend« erscheint. Nun dürfte sich dem letzten Zuschauer die Facebook-Association erschlossen haben. Dazu diese großartige Version von »Creep«. »I want a perfect body. I want a perfect soul«, singt ein Mädchenchor während Statusmeldungen auf den Bildschirm getippt werden. Der Clip entfaltet einen Sog, dem sich zu Entziehen schwerfällt. »Wow«, dachte ich beim ersten Sehen im Kino, »da hat Facebook einen verdammt guten und vermutlich preiswerten Clip rausgehauen.« Bis nach etwa einer Minute klar wird, dass es sich um einen Filmtrailer handelt. Eben für diesen »Facebook-Film«, der vom Creep Mark Zuckerberg handelt. Obgleich der Trailer die Vermutung nahelegt, dass es um den Creep in uns allen geht, der nach Aufmerksamkeit heischt. »I want you to notice«. … weiter
Ich habe Augenzeugen befragt und Fakten mit Erinnerungen abgeglichen. Hier ist das Ergebnis: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist das dort oben das allererste Spiel gewesen, das ich jemals auf dem Tivoli gesehen habe: Alemannia Aachen gegen die Stuttgarter Kickers. Zehn Jahre alt war ich damals. Was in meinem Hinterkopf hängen geblieben ist, habe ich mich seinerzeit mehr mit den Leuten beschäftigt, die um mich und meinen Vater herumstanden, als mit dem Fußball an sich. Da schwingen wilde, bärtige Männer riesengroße schwarz-gelbe Fahnen vor meinem inneren Auge. Kuttentragende Halbstarke gröhlen Unanständigkeiten. Als das Tor fiel, wurde aus dem ständig vorhandenen Grundrauschen purer Lärm. Es war wundervoll. Und bei meinen nächsten Besuchen wurde es sogar noch besser.
Auch wenn ich im Grunde schon vor zwei Jahren Abschied genommen habe, vermisse ich den Tivoli immer noch. Bisher war das gar nicht so schlimm. Immerhin lag der alte Kasten auf meinem Weg zum neuen Stadion. Ein Blick hinauf zu den Flutlichtmasten reichte schon, um eine Menge gute Erinnerungen zu wecken. Und Fußball gab es auf dem Tivoli schließlich auch noch. Ich bin nicht so oft hingegangen, wie ich es mir vorgenommen hatte, aber von Zeit zu Zeit habe ich es doch geschafft, unserer zweiten Mannschaft einen Besuch abzustatten. Das ist jetzt aber auch vorbei. Zwei Spielzeiten nachdem die Profis umgezogen sind, packen die Amateure ebenfalls die Kisten. Am Samstag rollt zum letzten Mal der Ball über die alte Kampfbahn. Schwarz-Weiß Essen wird der letzte Gegner sein, der dort mit der Alemannia um Punkte ringt. Und gleich im Anschluss findet noch ein Freundschaftsspiel zwischen einem aus Fans gebildeten Team und der Traditionsmannschaft statt. Ein finaler Doppelpack. Dann ist es endgültig vorbei. Wer später auch einmal erzählen möchte, dass er auf dem Tivoli Fußball gesehen hat, oder wer gerne alte Männer weinen sieht, sollte sich diese Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen.
Putzmunter hat sich sich am Wochenende unser Heimatstädtchen präsentiert. Alle Aachener Bürger waren aufgerufen, ihre Stadt in neuem Glanz erstrahlen zu lassen und durch eifriges Müll-Weg-Machen auf den Frühling einzustimmen. Clevere Idee der städtischen Verwaltung. Damit die Aktion »Aachen putzt sich« nicht allzu sehr nach einer Geschäftsidee zur Entlastung des Stadtsäckels riecht, hatten ihr die Marketingleute noch einen gesellschaftskritischen Überbau verpasst. Von »bürgerschaftlichem Engagement« war da die Rede und einem neuen Gemeinschaftsgefühl, das durch das kollektive Fegen entstehen soll. Mehr noch: Weil sich der eine oder andere Mensch mit Migrationshintergrund beteiligen wollte, wurde das Ganze noch zum Integrationsprojekt hochgejazzt. Nach dem Motto: Solange der Ali kehrt, kann er zumindest keine Bomben bauen oder Kopftuchmädchen produzieren. … weiter