„Yes we can“ schmetterte es uns vor drei Jahren von allen demokratischen US-Wahlkampfbühnen entgegen. Der Slogan des heutigen Präsidenten Barack Obama elektrisierte zunächst seine Anhänger und nervte dann aber zusehends, weil jeder, aber auch wirklich jeder ihn okkupierte. Negativer Höhepunkt dürfte wohl die Schmacht-Schnulze „Yes we can“ von Howard Carpendale gewesen sein.
Apropos okkupieren. Das scheint wohl der nächste Kandidat für ein globalisiertes Schlagwort zu sein. … weiter
Katzen, Mainzelmännchen und Blumentöpfe. So ziemlich alles lässt sich mit viel Strömungswiderstand und ein wenig Wind in die Luft bringen und dann als Drache bezeichnen. Das ist die eine Erkenntnis des Treffens der Drachenfreunde Euregio, das am vergangenen Wochenende zahlreiche Drachen und Zuschauer nach Orsbach gelockt hat. Die andere Erkenntnis ist die, dass Kinder durchaus wettbewerbswillig sind, wenn man ein geeignetes Ambiente schafft.
Zum Beleg für die erste Erkenntnis müssen die angefügten Bilder reichen. Die zweite bedarf der Erläuterung. Unter dem Motto „Öcher Printen lernen fliegen“ hielten die Drachenfreunde eine Kinderbelustigung bereit, die auch passivsportbegeisterten Erwachsenen Freude bereitet. An einem mit Sparkassen-Emblem versehenen Drachen wurden Printen, Schlüsselanhänger und anderer Tinnef in die Luft gebracht. Ein Mechanismus sorgte dafür, dass sich die Leckereien schließlich vom Transportgefährt lösten und an kleinen Fallschirmen Richtung Erde segelten. Unten warteten zahlreiche Heranwachsende, die abhängig von ihrer Fähigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit korrekt einzuschätzen und ihrem Durchsetzungsvermögen, mehr oder weniger von den Gaben aus der Luft profitierten.
Aufgrund wechselnder Winde schob sich der Kinderpulk auf der gesamten Wiese hin und her – immer in Richtung erwarteter Landezone. Während die jüngeren Fänger Printen und Schokolade favorisierten, spezialisierten sich die Ü-Zehnjährigen auf die Schlüsselanhänger, die mangels Fallschirm eine deutlich kürzere Flugbahn nahmen. Hier versammelten sich auch die meisten erwachsenen Zuschauer, die großen Spaß daran hatten, Latoya und Torben-Lasse dabei zu beobachten, wie sie sich in die Enden desselben Schlüsselanhängers verbissen und darüber den nächsten Start des Sparkassen-Drachen verpassten. Noch interessanter war es, die Eltern der Gladiatoren zu beobachten. Hin- und hergerissen zwischen den beiden Erziehungsmaximen, „Gewalt ist keine Lösung“ und „Kinder müssen Streiten lernen“, waren sie stets auf dem Sprung, um blutige Eskalationen zu vermeiden oder gegebenenfalls den Schlüsselanhänger der eigenen Brut zu verteidigen.
Insgesamt also sowohl aus soziologischer als auch aus aeronautischer Sicht ein rundum gelungener Sonntagsausflug.
Gestern hatte ich das Glück, auf den Granusturm am Aachener Rathaus klettern zu dürfen. Dort oben fand ein Pressetermin statt, bei dem vom Ende der Dachdeckerarbeiten berichtet wurde. Während der Arbeiten ist das Gerüst allerdings auch zu Forschungszwecken gebraucht worden. Diverse Fachrichtungen der RWTH haben das Mauerwerk des Turmes ordentlich unter die Lupe genommen. Während alle Interessierten hier mehr nachlesen können, zeige ich ein paar Bilder, die ich da oben in etwa 35 Meter Höhe gemacht habe. Und ja: Die Fotos könnten schöner sein. Ich bin eben Schreiber und nicht Fotograf.
Und wo ich gerade schon beim Knipsen war, habe ich nach meinem Abstieg ein paar Meter weiter gleich noch mal drauf gehalten. Ohnehin komme ich um den Dom nur ganz selten herum, ohne ein Bild zu machen. Der ist halt ein unheimlich fotogenes Gebäude.
Vor ein paar Tagen habe ich darüber berichtet, wie subtil im Kindergarten meines Sohnes politische Lyrik vermittelt wird. Auf der Rückseite eines Schmierblattes fand ich das Gedicht »Dann gibt es nur eins!« des Pazifisten Wolfgang Borchert.
Gestern musste ich feststellen, dass der Kita-Lernplan sich keineswegs auf solche Laberfächer beschränkt, sondern auch trockenere Themen kindgerecht aufbereitet werden. Auf dem Stundenplan diesmal: Wirtschaftsrecht. KG, AG und GmbH werden den Zwei- bis Sechsjährigen näher gebracht. Und auch diese subtile Unterrichtseinheit scheint Auswirkungen auf die Kleinsten zu haben. … weiter
Erinnert sich jemand an den grandiosen Trailer zum letzten David Fincher »Social Network«? Piano-Einsatz, Pixel formieren sich langsam zum Bild einer jungen Frau mit Totenkopftattoo. Dann drei Twens, die an einem Auto lehnen. Partybilder. Der Button »Add a friend« erscheint. Nun dürfte sich dem letzten Zuschauer die Facebook-Association erschlossen haben. Dazu diese großartige Version von »Creep«. »I want a perfect body. I want a perfect soul«, singt ein Mädchenchor während Statusmeldungen auf den Bildschirm getippt werden. Der Clip entfaltet einen Sog, dem sich zu Entziehen schwerfällt. »Wow«, dachte ich beim ersten Sehen im Kino, »da hat Facebook einen verdammt guten und vermutlich preiswerten Clip rausgehauen.« Bis nach etwa einer Minute klar wird, dass es sich um einen Filmtrailer handelt. Eben für diesen »Facebook-Film«, der vom Creep Mark Zuckerberg handelt. Obgleich der Trailer die Vermutung nahelegt, dass es um den Creep in uns allen geht, der nach Aufmerksamkeit heischt. »I want you to notice«. … weiter
Ich habe Augenzeugen befragt und Fakten mit Erinnerungen abgeglichen. Hier ist das Ergebnis: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist das dort oben das allererste Spiel gewesen, das ich jemals auf dem Tivoli gesehen habe: Alemannia Aachen gegen die Stuttgarter Kickers. Zehn Jahre alt war ich damals. Was in meinem Hinterkopf hängen geblieben ist, habe ich mich seinerzeit mehr mit den Leuten beschäftigt, die um mich und meinen Vater herumstanden, als mit dem Fußball an sich. Da schwingen wilde, bärtige Männer riesengroße schwarz-gelbe Fahnen vor meinem inneren Auge. Kuttentragende Halbstarke gröhlen Unanständigkeiten. Als das Tor fiel, wurde aus dem ständig vorhandenen Grundrauschen purer Lärm. Es war wundervoll. Und bei meinen nächsten Besuchen wurde es sogar noch besser.
Auch wenn ich im Grunde schon vor zwei Jahren Abschied genommen habe, vermisse ich den Tivoli immer noch. Bisher war das gar nicht so schlimm. Immerhin lag der alte Kasten auf meinem Weg zum neuen Stadion. Ein Blick hinauf zu den Flutlichtmasten reichte schon, um eine Menge gute Erinnerungen zu wecken. Und Fußball gab es auf dem Tivoli schließlich auch noch. Ich bin nicht so oft hingegangen, wie ich es mir vorgenommen hatte, aber von Zeit zu Zeit habe ich es doch geschafft, unserer zweiten Mannschaft einen Besuch abzustatten. Das ist jetzt aber auch vorbei. Zwei Spielzeiten nachdem die Profis umgezogen sind, packen die Amateure ebenfalls die Kisten. Am Samstag rollt zum letzten Mal der Ball über die alte Kampfbahn. Schwarz-Weiß Essen wird der letzte Gegner sein, der dort mit der Alemannia um Punkte ringt. Und gleich im Anschluss findet noch ein Freundschaftsspiel zwischen einem aus Fans gebildeten Team und der Traditionsmannschaft statt. Ein finaler Doppelpack. Dann ist es endgültig vorbei. Wer später auch einmal erzählen möchte, dass er auf dem Tivoli Fußball gesehen hat, oder wer gerne alte Männer weinen sieht, sollte sich diese Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen.
Putzmunter hat sich sich am Wochenende unser Heimatstädtchen präsentiert. Alle Aachener Bürger waren aufgerufen, ihre Stadt in neuem Glanz erstrahlen zu lassen und durch eifriges Müll-Weg-Machen auf den Frühling einzustimmen. Clevere Idee der städtischen Verwaltung. Damit die Aktion »Aachen putzt sich« nicht allzu sehr nach einer Geschäftsidee zur Entlastung des Stadtsäckels riecht, hatten ihr die Marketingleute noch einen gesellschaftskritischen Überbau verpasst. Von »bürgerschaftlichem Engagement« war da die Rede und einem neuen Gemeinschaftsgefühl, das durch das kollektive Fegen entstehen soll. Mehr noch: Weil sich der eine oder andere Mensch mit Migrationshintergrund beteiligen wollte, wurde das Ganze noch zum Integrationsprojekt hochgejazzt. Nach dem Motto: Solange der Ali kehrt, kann er zumindest keine Bomben bauen oder Kopftuchmädchen produzieren. … weiter
Gleich drei Blogs sind uns in den letzten Tagen unter den Mauszeiger gekommen, die wir vor allem Musikliebhabern unbedingt ans Herz legen möchten. Gerade Popkulturisten, die es mit der Kaiserstadt halten, werden dort den einen oder anderen Leckerbissen entdecken. Ein bisschen Zeit sollte man allerdings mitbringen. Aus eigener Erfahrung können wir versichern, dass beim Schwelgen in Erinnerungen schon einmal die eine oder andere Stunde draufgehen kann.
Wie komme ich in Aachen an Tonträger? Diese Frage beantwortet Dr. Fu Man Chu auf seiner Seite. In seiner Sammlung der Plattenläden und Plattenlädenähnlichen würdigt er auch längst versiegte Vinyl-Quellen, lässt dabei nicht einmal den Grabbeltisch bei »Metzen« aus. Alphabetisch geordnet und mit kleinen Anekdoten garniert, hat das Ganze etwas von einem sehr persönlich ausgefallenen Almanach. Falls der Herr Doktor etwas vergessen haben sollte, nimmt er sicher auch Ergänzungsvorschläge an.
Einer dieser inzwischen geschlossenen Plattenläden lag in der Aureliusstraße. Mit dem entsprechenden Musikgeschmack konnte man in den 90er Jahren bei »Dragnet Records« viel Zeit und Geld loswerden. Über ein Jahrzehnt nach dem Ende des Ladens haben jetzt ehemalige Mitarbeiter eine Seite gebastelt, um damals nicht Erzähltes loszuwerden. Dabei blicken sie auch auf die Geschichte des Plattenlabels »Scout Releases« zurück, das seinerzeit im Dunstkreis von »Dragnet Records« betrieben wurde. Hörproben inklusive. Unter anderem kommen da nicht mehr realisierte Veröffentlichungen erstmalig ans Tageslicht.
Noch einiges mehr kommt im Blog von Karl und Allo Pach ans Tageslicht. Kneipen, Bands, legendäre Konzerte: Alles, was nur im Entferntesten mit Aachen, Untergrund und Musik zu tun hat, wird dort thematisiert. Da gibt es jede Menge zu gucken, hören und lesen. Einfach mal rüberklicken und abtauchen. Viel Vergnügen.
Aufmerksame METAPLOT-Leser werden sich eventuell an einen Artikel aus dem Dezember 2008 erinnern, in dem Judith von der evangelikalen Bäckereifront in unserem Viertel berichtete. Der Bäcker unseres Vertrauens, mit ausgesprochen freundlicher Bedienung und leckeren Backwaren, diskreditierte sich leider durch das Auslegen obskurer Engelslektüre und fiel in Ungnade. Aus gegebenem Anlass, auf den ich später eingehen werde, möchte ich nun Paroli laufen Revue passieren lassen, was sich seit dem getan hat. … weiter
Vor etwa einem Jahr berichtete ich über meine Lust am Passend-geben. Keine Situation, an der ich als zahlender Kunde teilhabe, vergeht, ohne dass ich nach Centstücken suche, um den Laden mit einem von der Last des Kleingelds befreiten Portemonnaies zu verlassen. Dieses Coming-Out hat meine Blick geschärft und mich in die Lage versetzt, bei meinen Mitmenschen ähnlich krankhafte Verhaltensmuster zu entdecken. Dazu zwei Hackfleichgeschichten. … weiter