Im Prinzip ist zum Thema Scripted Reality alles gesagt. Messie-Alarm, Mitten im Leben, Die Super-Nanny und, und, und. Gäbe es da nicht dieses neue wundervolle Format „Teenager in Not“, das es versteht, verschiedene Scripted-Reality-Formate virtuos miteinander zu verbinden. Es gibt Messie-Elemente, Parallelen zur Super-Nanny sind durchaus erwünscht, ab und an wird auch mal die Bude renoviert und häufig fühlt man sich an das Model und der Freak erinnert. Das Model ist in diesem Fall die Moderatorin, die man zweifelsohne als blonden Schuss bezeichnen kann. Da sie aber eine Pädagogin spielt ist, bedient sich RTL2 zweier raffinierter Tricks, um beim einfach gestrickten Zuschauer Blondes-Dummchen-Vorurteilen vorzubeugen. Dabei ist von Vorteil, dass das Moderatoren-Blondchen über einen Doktortitel verfügt (doch, ehrlich). So etwas vermittelt ungeachtet der jüngsten Diskussionen um erschlichene Dissertationen Seriosität. Dr. Sarah Sophie Koch kann kein blondes Dummchen mit höchst fragwürdigen pädagogischen Methoden sein. So denkt zumindest RTL2. … weiter
Katzen, Mainzelmännchen und Blumentöpfe. So ziemlich alles lässt sich mit viel Strömungswiderstand und ein wenig Wind in die Luft bringen und dann als Drache bezeichnen. Das ist die eine Erkenntnis des Treffens der Drachenfreunde Euregio, das am vergangenen Wochenende zahlreiche Drachen und Zuschauer nach Orsbach gelockt hat. Die andere Erkenntnis ist die, dass Kinder durchaus wettbewerbswillig sind, wenn man ein geeignetes Ambiente schafft.
Zum Beleg für die erste Erkenntnis müssen die angefügten Bilder reichen. Die zweite bedarf der Erläuterung. Unter dem Motto „Öcher Printen lernen fliegen“ hielten die Drachenfreunde eine Kinderbelustigung bereit, die auch passivsportbegeisterten Erwachsenen Freude bereitet. An einem mit Sparkassen-Emblem versehenen Drachen wurden Printen, Schlüsselanhänger und anderer Tinnef in die Luft gebracht. Ein Mechanismus sorgte dafür, dass sich die Leckereien schließlich vom Transportgefährt lösten und an kleinen Fallschirmen Richtung Erde segelten. Unten warteten zahlreiche Heranwachsende, die abhängig von ihrer Fähigkeit, Windrichtung und -geschwindigkeit korrekt einzuschätzen und ihrem Durchsetzungsvermögen, mehr oder weniger von den Gaben aus der Luft profitierten.
Aufgrund wechselnder Winde schob sich der Kinderpulk auf der gesamten Wiese hin und her – immer in Richtung erwarteter Landezone. Während die jüngeren Fänger Printen und Schokolade favorisierten, spezialisierten sich die Ü-Zehnjährigen auf die Schlüsselanhänger, die mangels Fallschirm eine deutlich kürzere Flugbahn nahmen. Hier versammelten sich auch die meisten erwachsenen Zuschauer, die großen Spaß daran hatten, Latoya und Torben-Lasse dabei zu beobachten, wie sie sich in die Enden desselben Schlüsselanhängers verbissen und darüber den nächsten Start des Sparkassen-Drachen verpassten. Noch interessanter war es, die Eltern der Gladiatoren zu beobachten. Hin- und hergerissen zwischen den beiden Erziehungsmaximen, „Gewalt ist keine Lösung“ und „Kinder müssen Streiten lernen“, waren sie stets auf dem Sprung, um blutige Eskalationen zu vermeiden oder gegebenenfalls den Schlüsselanhänger der eigenen Brut zu verteidigen.
Insgesamt also sowohl aus soziologischer als auch aus aeronautischer Sicht ein rundum gelungener Sonntagsausflug.
Das Knistern und Knacken, der warme Klang, das Anfassen des Covers: Fragt man Liebhaber der Schallplatte, warum sie in Zeiten digitaler Wiedergabemöglichkeiten immer noch auf ihre analogen Schätzchen setzen, bekommt man verschiedenste Antworten, die aber alle in die selbe Richtung gehen. LP, 10″ oder Single vermitteln Gefühle, die weit über das hinausgehen, was CD oder gar MP3-Player auslösen. Und ja, ich bin der selben Meinung. Darum wundert es mich auch nicht wirklich, dass die schwarzen Scheiben wieder im Kommen sind. Mehr und mehr Künstler lassen ihre Werke auch auf Vinyl (oder in Vinyl?) pressen.
Paolo Campana ist DJ, Plattensammler und seit neuestem auch Filmemacher. In seiner Doku »Vinylmania« geht er der Renaissance der Schallplatte auf die Spur. Und hat dafür die halbe Welt bereist. Paris, Prag, Tokio, San Francisco, New York: Überall hat er Vinylenthusiasten gefunden und mit ihnen gesprochen. Das Ergebnis gab es gestern auf »arte« zu sehen. Die nächsten paar Tage kann man es also noch in deren Mediathek anschauen. Wem der Weg bis dahin zu weit ist, der kann sich auch hier bedienen lassen. Viel Spaß.
Als Sänger und Gitarrist von The Clash hat Joe Strummer viel dazu beigetragen, dass ich heute die Musik höre, die ich höre. Immer noch ist das selbstbetitelte erste Album einer der ständigen Gäste auf meinem Plattenteller. Im Jahr 2007 hat Julien Temple mit »The Future is unwritten« eine höchst unterhaltsame, informative und einfach schöne Doku über den Mann gedreht, der eigentlich John Graham Mellor hieß. Wie ich gerade bei »Testspiel.de« gesehen habe, kann man den kompletten Film aktuell im Internet finden und anschauen. Das Finden habe ich Euch somit schon einmal abgenommen. Anschauen müsst Ihr jetzt aber selbst. »I’d like you to write Punk Rock Warlord. With Warlord being one word.« (Bildquelle: Wikipedia)
Auf der Suche nach Videos für den Artikel zum Pukkelpop 91 bin ich auch über einen Film gestolpert, den ich mangels Videorekorder lange Zeit nicht mehr gesehen hatte: »1991 – The Year Punk Broke«. Dave Markey, ein Freund von Sonic Youth, war seinerzeit gebeten worden, deren Europatour im Sommer 1991 mit der Kamera zu begleiten. Dabei ist eine Doku entstanden, die neben diverser Live-Aufnahmen (u.a. auch von Dinosaur Jr., Nirvana, Gumball und Babes in Toyland) auch einige obskure Backstageszenen enthält. Der mehr oder weniger ironische Titel des Films spielt darauf an, dass Sonic Youth die Zeit gekommen sahen. Für ihren Mainstream-Durchbruch und den ihrer Mitreisenden. Und so falsch haben sie mit ihrer Annahme nicht gelegen: Ein halbes Jahr später hatte es vor allem Nirvana auf die Plattenteller aller Diskos und Jugendheime geschafft. Von Punk war allerdings keine Rede. Die Welt sprach von Grunge.
Zum zwanzigsten Jubiläum dieser Tour haben Sonic Youth angekündigt, den Film Anfang September endlich als DVD herauszubringen. Wer so lange nicht warten möchte, kann sich das Ganze jetzt und hier schon ansehen. Lasst Euch aber dadurch nicht davon abhalten, die DVD zu kaufen. Es soll doch keiner behaupten, wir wären alle nur Ömmesönslömmele.
Gerade erst neulich habe ich hier eine Doku verlinkt, die sich mit dem späten Punk und der frühen Zeit danach befasste. Jetzt habe ich ein weiteres Werk zu dem Thema entdeckt – im Gegensatz zum 1980 gedrehten Film aber aus der heutigen Sicht. Und mit der Weisheit von 30 Jahren dazwischen bietet diese Doku eine prima Ergänzung zu der anderen. Rohe Schilderung aus dem Mittendrin da – Rückblick, Bewertung und O-Töne von gealterten Protagonisten hier. Zudem nimmt dieser erste Teil der arte-Reihe »Welcome to the 80’s« (Weitere Teile finden sich im YouTube Kanal von coxe68.) auch den deutschen Zweig des Postpunk unter die Lupe – Ausverkauf via Hitparade, inklusive. Um es mit den Specials zu sagen: »Enjoy yourself, it’s later than you think.«
Tauchen erst in letzter Zeit so viele interessante Dokus im Internet auf oder habe ich die davor nur einfach immer an mir vorbeilaufen lassen? Wie auch immer: Auch bei dieser hier lohnt sich das Ansehen. Sie erzählt vom Musikfestival »All Tomorrow’s Parties«, das seit 1999 alljährlich in einer Feriensiedlung bei Camber Sands in East Sussex, England stattfindet. Zu jeder Ausgabe wird ein Musiker zum Gastgeber erkoren, der dann alle Acts auf dem Festival auswählen darf. Mogwai ist diese Ehre schon zuteil geworden, Portishead auch und Nick Cave sowieso. Die Line-Ups können sich Jahr für Jahr wirklich sehen lassen.
Die Videos, aus denen die Doku zusammengebastelt wurde, stammen alle entweder von Fans oder den Künstlern selber. Das wirkt manchmal etwas wirr. Wenn man sich darauf einlässt, macht der Film aber unheimlich viel Spaß. Hier kommt das gute Stück in einer sechsteiligen Playlist. Have fun. (Vielen Dank fürs Zeigen an Nerdcore/Crackajack)
»Alte Dokus sind in vielerlei Hinsicht faszinierend«, sagte meine Freundin neulich beim Anblick der New Yorker Slumgärten. »Man bekommt so viele Eindrücke von den damals aktuellen kulturellen Gegebenheiten. Nicht nur durch das, was gezeigt wird, sondern auch durch die Art, wie es gezeigt wird.« Wie so oft brachte mich das an den berühmten »Mmh, da habe ich so noch gar nicht drüber nachgedacht«-Punkt. Inzwischen habe ich das nachgeholt. Sie hat Recht.
Hier kommt dann auch direkt die nächste alte Doku. Walter Bülds hat »Punk in England« im Jahr 1980 gedreht. Gespickt mit etlichen Livebildern von Clash, Jam, Specials, Ian Dury, … erzählt der Film, wie es mit dem Punk nach der ersten Welle weiterging. Vom Ankommen im Mainstream, von der Entwicklung hin zum Post-Punk und der Verschmelzung mit Mod oder Ska. Alles in allem ein Stündchen, das sich lohnt. Vielen Dank fürs Zeigen an das Kraftfuttermischwerk. Film ab!
Habt Ihr gerade mal ein halbes Stündchen Zeit? Bei Phoenix lief vor kurzem im Rahmen der Reihe »Vor 30 Jahren« eine Doku, deren Infotext sich verheißungsvoll las:
»In amerikanischen Großstädten werden seit Mitte der achtziger Jahre Projekte zur Verbesserung der Ernährung in den Slums durchgeführt. Die zirka 2000 Gärten, die bereits in den ersten zwei Jahren auf Trümmerfeldern, Dächern und in Hinterhöfen hochgepäppelt wurden, haben tatsächlich etwas in den Armenvierteln in Bewegung gebracht, das beinahe wichtiger ist als die Produktion von eigenem Gemüse. In verwahrlosten Stadtregionen, in denen immer mehr Häuser verfallen, angezündet oder abgerissen werden und in denen die Menschen vor der wachsenden Zerstörung, Kriminalität und Arbeitslosigkeit resigniert haben, sind die Gärten zu einem Überlebenssymbol geworden, zu kreativen Werkstätten im Freien, in denen wieder ein Verantwortungsgefühl für die Wohnumgebung heranwächst.« (phoenix.de)
Mein Interesse war geweckt und nach dem Anschauen von »Grüne Therapie: Gärten in den Slums von New York« kann ich sagen: Zeitverschwendung geht anders. Ein Freund solch alternativ-urbaner Themen hat sich jetzt darum gekümmert, dass die Sendung nicht für die nächsten 30 Jahre wieder in der Schublade verschwindet. Was mir die Gelegenheit gibt, sie Euch ans Herz zu legen. Hier ist das Ding:
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich habe früher einmal Gitarre gespielt, tue das heute manchmal immer noch und ein Wah-Wah hatte ich auch. Soweit ich mich entsinne war das ein Geburtstagsgeschenk von (unter anderem) den restlichen METAPLOT-Zweidritteln. Vor ein paar Jahren ist das dann kaputt gegangen. Keine Ahnung, woran es liegt. Man kann das Pedal immer noch rauf und runter treten, nur »Wocka-Chicka« macht es nicht mehr. Wer möchte, kann mir ja ein neues schenken. Und bis sich ein edler Spender findet, gucken wir alle zusammen diese Doku, die ich bei René entdeckt habe. Jede Menge Wah-Wah und noch mehr Leute, die es treten und darüber sprechen. Viel Spaß.