Apr 8 2012

Neulich in Moskau

Sollte mich jemals jemand fragen, warum ich so gerne Konzerte besuche, werde ich ihm höchstwahrscheinlich Videos wie dieses zeigen. Die Band heißt »And so I watch you from afar«, das Lied »The Voiceless« und nein, auf diesem Konzert bin ich nicht gewesen. Schade, eigentlich.

Christoph unter haltsam | Ein Kommentar


Nov 30 2011

Faggesai!

»Morgen, Kinder, wird’s was geben!« Selten hat ein Weihnachtslied besser gepasst, als am heutigen Tag. Denn morgen, am 1. Dezember, öffnet ein eigentlich unglaubliches Musik-Archiv seine Pforten. Alles, was es da zu hören gibt, stammt nur von einer einzigen Band: Fugazi. (Oder eben Faggesai, wie sich ein Gast dereinst bei einem Aachener DJ wünschte.) Über 1000 Shows haben die Jungens zwischen 1987 und 2003 gespielt. Etwa 800 davon sind durch den Toningenieur der Band aufgezeichnet worden. Und dieses Material wird jetzt peu a peu unter das Fanvolk gebracht. »Fugazi Live Series« nennt sich das Ganze, das mit erst einmal 130 Konzerten anfängt, im Laufe der nächsten Monate ergänzt wird und auf der Seite ihres Plattenlabels Dischord stattfindet. Womit wir dann beim schlechten Teil der Nachricht wären: Umsonst gibt es da nichts. 5$ sind der empfohlene Preis pro Auftritt. Wer es gerade nicht passend hat, kann scheinbar auch weniger bezahlen – oder mehr. Und so war das mit Fugazi live zum Beispiel im Jahr 1991. (Das entsprechende Konzert steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Ich habe schon nachgeschaut.)

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Nov 16 2011

Sonic Feierabend?

Vor ein paar Wochen haben Kim Gordon und Thurston Moore bekanntgegeben, dass sie sich trennen werden. Die Zukunft von Sonic Youth sei somit erst einmal ungewiss. Zumindest die aktuelle Tournee werde man noch zu Ende spielen. Am Montag hat eben diese Tournee ihren Abschluss in Sao Paulo gefunden. Es kann also gut sein, dass diese Aufnahmen das letzte Konzert in der langen Geschichte einer (in meinen Augen) sehr wichtigen Band zeigen. Das aber immerhin in voller Länge. (Und als Playlist gibt es das Ganze dann hier.)

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Okt 6 2011

Achtung, Achtung!

© metaplot

Große Teile des vergangenen Wochenendes habe ich in Essen verbracht. Das Bochumer Plattenlabel »Denovali« hatte in der dortigen Weststadthalle zu seinem jährlichen »Swingfest« geladen, einem mittlerweile dreitägigen Festival voller experimenteller Musik. Und weil dabei die komplette Bandbeite von Knirschen & Knacken bis hin zu Ballern & Braten bedient wird, dürfte für so ziemlich jeden Interessierten etwas dabei gewesen sein. Ich jedenfalls habe eine Menge Spaß gehabt mit Jazz, Doom, Ambient, Postrock, Metal oder wie man die ganze Musik sonst noch klassifizieren möchte. Statt eines Konzertberichts – das ist einfach nicht mein Metier – folgt jetzt allerdings nur ein kleines Anekdötchen vom späten Sonntagabend.

Zum krönenden Abschluss der Veranstaltung haben Sunn O))) gespielt – vier Kerle in Mönchskutten, die in einem komplett vernebelten Saal über eine Stunde lang Akkorde und Schreie wabern ließen, deren Lautstärke im wahrsten Sinne des Wortes durch Mark und Bein ging. Teile ihres Auftritts kann man hier, hier und hier bei YouTube ansehenhören. Wahrscheinlich erweise ich mich mal wieder als Banause, wenn ich jetzt zugebe, dass ich das Ganze nicht verstanden habe. (Mitfahrer Uwe hatte auf dem Heimweg eine interessante Theorie, die ich jetzt einfach mal ungebremst wiedergebe: »Das ist weniger Musik als Performance-Kunst. Sunn O))) dekonstruieren damit den Metal, führen ihn an seine Grenze. Langsamer geht nicht, lauter auch nicht. Und das Outfit ist in seiner überspitzten Symbolik kaum zu toppen.«) Nach einer knappen halben Stunde habe ich die Segel gestrichen und mich vom Veranstaltungssaal in den Raum mit der Theke begeben. Und da habe ich dann festgestellt, dass die Haustechnik das Ganze auch nicht verstanden hat. Aber hört doch einfach selbst.

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Sep 5 2011

Vor die Tür gesetzt

© metaplot

Wahrscheinlich muss man Josh Ottum nicht unbedingt kennen. Ich habe ihn vor etwa fünf Jahren einmal zufällig in Aachen live gesehen. Seinerzeit war er mit seinem ersten Album auf Tour und ist mir vor allem in Erinnerung geblieben, weil er seine Begleitband vom iPod einspielte. Okay, die Musik hat mir auch gefallen, sonst hätte ich damals wohl kaum die Platte gekauft. Im Moment ist er mit deren Nachfolger unterwegs. Und im Rahmen dieser Tour kam er auch nach Köln, in die dortige »Wohngemeinschaft«. Oder eher: vor die »Wohngemeinschaft«. Denn anders als geplant fand das Konzert auf dem Bürgersteig statt. Ob es am überraschend tollen Wetter dieses »Dann doch noch Sommer«-Abends lag, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte Josh Ottum sein Equipment draußen aufgebaut. Diesmal spielte er ohne iPod-Begleitband. Aber seine Lieder funktionieren auch in derlei abgespeckten Ein-Mann-Versionen. Zumindest bei mir. Sonst hätte ich die neue Platte wohl kaum gekauft.

Einen Song vom ersten Album habe ich auch noch mitgenommen. Hier ist das gute Stück:

Christoph unter haltsam | 2 Kommentare


Mai 26 2011

Kop dicht!

© metaplot

Es gibt eigentlich nichts, was mich beim Besuch von Konzerten mehr ärgert als ständiges Gelaber im Publikum. Dabei will ich nicht mal die schwere, moralische Keule vom »fehlenden Respekt vor der künstlerischen Leistung« rausholen. Mag sein, dass Leute, die während der Darbietung ihren Mund nicht halten können, die Band nicht respektieren. In erster Linie gehen die aber mir auf den Sack. Und ich bin absolut bereit, das persönlich zu nehmen.

Wie toll ist es da, zu spüren, dass ich mit dieser Ansicht in den Augen mancher Leute vielleicht spießig, auf jeden Fall aber nicht alleine bin. Vergangenen Montag etwa war ich beim Konzert von »Explosions in the Sky« in der Kölner Essigfabrik. Vorher saß ich mit meiner Begleitung noch ein wenig vor dem Laden. Um uns herum schwirrten die üblichen Flyer-Verteiler. Und ein junger Mann, der Visitenkarten auf den Tischen auslegte. Ich habe eine genommen, sie gelesen und behalten. Adresse und solche Sachen stehen da zwar nicht drauf. Stattdessen eine Bitte, die mir so was von aus dem Herzen spricht.

Geholfen hat der Appell aber offensichtlich eher nicht. Schon beim zweiten Lied stand hinter mir ein Knilch, der sich per Handy durch seinen kompletten Freundeskreis – immerhin fünf Telefonate – wählte: »Ey Alter, ich bin bei Explosions in the Sky. Hör mal!« Auch sonst war alles wie immer. Im Grunde ist die Kartenaktion also ins Leere gelaufen. Und trotzdem ist es der Gedanke, der zählt. Der Verteiler hat zumindest versucht, etwas gegen das Gelaber zu unternehmen. Weil es ihm auf den Sack geht. So wie mir. Weswegen ich mich auf diesem Wege bei dem unbekannten Gleichgesinnten für den Versuch bedanken möchte. Danke. Die Handvoll Karten, die ich nach dem Konzert in Sicherheit gebracht habe, werde ich bei nächster Gelegenheit auslegen. Vielleicht wirkt es ja doch eines Tages.

Und weil ich inzwischen auch ein Video (und einen dazugehörigen Bericht) von dem Auftritt gefunden habe, gibt es das noch als Zugabe. Wer will, kann gerne zwischendurch quatschen.

Christoph unter haltsam | Ein Kommentar


Apr 30 2011

Endlich wieder 25!

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Konzerte von alten Lieblingsbands zu besuchen, wird zunehmend zu einer riskanten Geschichte. Vergangenen Herbst, zum Beispiel, habe ich Samiam nach Jahren noch einmal gesehen. Und die hatten so offensichtlich die Rente durch, dass mir mitten während der Vorstellung nur noch ein Gedanke im Kopf herumflog: »Junge, sind die alt geworden. Ich aber auch!« Am Ende war ich regelrecht sauer auf die Band, diese Erkenntnis in mir geweckt zu haben. Deren Platten habe ich seitdem kaum noch angepackt. Klarer Fall von »gute Erinnerungen nachträglich zertrampelt«. Aber so ein Wiedersehen kann auch anders laufen. Ganz anders. Etwa so wie vorgestern.

Da waren Piebald in Köln, genauer gesagt im »Blue Shell«. Und der Abend war großartig. Auf der Bühne eine Handvoll sympathischer Herren, davor ein zwar überschaubarer, dafür aber komplett euphorisierter Haufen Menschen. Die Band hatte so was von Lust aufs Musikmachen, dass sie sich und uns dieses alberne »So, wir sagen jetzt das letzte Lied an, gehen dann, Ihr ruft nach uns, wir kommen zurück und spielen weiter«-Zugabespielchen ersparten und nach einem ersten bunten Strauß schöner Melodien einfach unaufgefordert weitere Lieder anhängten. Am Ende hatten sie in knapp anderthalb Stündchen einmal durch ihre komplette Diskographie gepflügt und (fast) alle meiner persönlichen Hits gespielt. Zu keinem Zeitpunkt habe ich »Mensch, bin ich alt!« gedacht, eher so: »Geil, endlich wieder 25!« Nicht, dass ich durchgehend scharf auf dieses Alter wäre. Aber für so einen Konzertabend ist das schon eine feine Sache.

Und apropos Lieblingslied: »Grace Kelly with wings«

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Christoph unter den nägeln | Kein Kommentar


Mrz 25 2011

Schmerz, Reinheit, Herz

(Für Nooßa, wegen Münster)

Eigentlich hatte ich ja vor, es hier demnächst Amien gleich zu tun und auch ein paar meiner Lieblingslieder vorzustellen. Weil deren neue Platte in diesen Tagen herauskommt, hätte ich beispielsweise übers Wochenende von einem Stück der New Yorker Band »The pains of being pure at heart« erzählt. Nun ist es aber so, dass ich heute bei den White Tapes ein Video entdeckt habe, auf dem die »Pains« (Nennen Kenner der Szene die so? Bei Beschwerden ändere ich das gerne.) ein ganzes Konzert spielen. Ich selbst bin im vergangenen Herbst in Köln in den Genuss gekommen. Im Frühling passt die Musik nach meiner Auffassung sogar noch besser. Darum kommt hier der Mitschnitt aus irgendwo in Frankreich. Und mit den Lieblingssongs fange ich eben ein andermal an. Das Lied, das ich ansonsten präsentiert hätte, ist übrigens das, das sie als Zweites spielen: »Come Saturday«. Nur der Vollständigkeit halber.

Christoph unter haltsam | Ein Kommentar


Feb 24 2009

Hinter Gittern

Ein Klassiker wird 40.

YouTube Preview ImageDie Jahrestage überschlagen sich derzeit regelrecht. Gestern Amien, heute »San Quentin«. Auf den Tag vor 40 Jahren wurde Johnny Cash’s Live-Album im gleichnamigen Hochsicherheitsgefängnis in Kalifornien aufgenommen. Mit Platz 1 sowohl in den Country-, als auch in den Pop-Charts markierte es den vorläufigen Höhepunkt seines erfolgreichen Comebacks nach überstandener Tablettensucht. Auch wenn der zeitgleich entstandene Konzertfilm des britischen TV-Senders »Granada Television« wegen zu unbequemer, gesellschaftskritischer Sprüche des Sängers lange Zeit nicht ausgestrahlt wurde, bedeutete »San Quentin« und die an diesem Abend erstmals aufgeführte Nummer-Eins-Single »A boy named Sue« den endgültigen internationalen Durchbruch für Johnny Cash.  Selbst vier Jahrzehnte nach ihrer Entstehung ist beim Hören der Aufnahmen für mich noch immer dieses Knistern spürbar, das seinerzeit in der Luft gelegen haben muss. … weiter

Christoph unter den nägeln | Kein Kommentar