Nov
15
2011
Wenn Bürger „Wood” haben

© Roberto Verzo
„Yes we can“ schmetterte es uns vor drei Jahren von allen demokratischen US-Wahlkampfbühnen entgegen. Der Slogan des heutigen Präsidenten Barack Obama elektrisierte zunächst seine Anhänger und nervte dann aber zusehends, weil jeder, aber auch wirklich jeder ihn okkupierte. Negativer Höhepunkt dürfte wohl die Schmacht-Schnulze „Yes we can“ von Howard Carpendale gewesen sein.
Apropos okkupieren. Das scheint wohl der nächste Kandidat für ein globalisiertes Schlagwort zu sein. … weiter
Amien unter irdisch | 2 Kommentare
Mrz
10
2011

© carl brunn
Fußball ist schon eine feine Sache. Gerade das Live-Erlebnis im Stadion kann durch nichts ersetzt werden – und durch Fernsehen schon mal gar nicht. Vor allem bei Auswärtsfahrten wächst das Anekdotenkonto fast minütlich. Unabhängig vom Spielverlauf kann man da die tollsten Dinge erleben. Daheim natürlich auch, aber auswärts ist diesbezüglich schon das »Nullplusultra«, wie ein verhinderter Philosoph einmal gesagt hat. Um den Fans der Alemannia die Gelegenheit zu geben, ihre Geschichten und Geschichtchen einmal auszutauschen habe ich vor ein paar Jahren den »Alemannia Anekdötchen Abend« ins Leben gerufen. Bis jetzt ist der sage und schreibe zweimal über die Bühne gegangen. Irgendwie wäre es noch mal an der Zeit für eine Fortsetzung. Bis die aber in trockenen Tüchern ist, erzähle ich einfach hier schon einmal eine Geschichte. Oder zwei, oder drei. Mal schauen, was sich so ergibt. Fürs Erste soll es ein Schwank aus meinem Fanleben tun, der sich Mitte der Neunziger in Köln ereignet hat. Und weil dieses Internet so herrlich viele Möglichkeiten bietet, gibt es das Ganze in zweifacher Ausführung. Wer sich die Geschichte lieber anhören möchte, klickt hier. Leute, die das Lesen auf eigene Faust bevorzugen, kommen bitte hier entlang.
Christoph unter haltsam | Ein Kommentar
Feb
15
2011
Kein Grund, traurig zu sein

© drüberleben
Kathrin, Mitte Zwanzig, bestreitet ihren Lebensunterhalt als freie Autorin. Sie ist eine normale junge Frau, die mit vielen anderen Menschen ein Schicksal teilt: Seit fast einem Jahrzehnt leidet sie an Depressionen. Doch im Gegensatz zum Großteil ihrer Leidensgenossen ist sie nicht gewillt, über ihre Erkrankung zu schweigen. Stattdessen lässt sie auf ihrer Seite den Rest der Welt an ihrem Innenleben teilhaben. Dort beschreibt Kathrin absolut lesenswert, was sie erlebt und beschäftigt – derart lesenswert, dass sie von der »Mädchenmannschaft« zur Bloggerin des Jahres 2010 gekürt wurde. In Anbetracht dieser Aufmerksamkeit ist sie auf unseren Hinweis eigentlich nicht angewiesen. Dennoch – und frei nach dem Motto »Kleinvieh macht auch Mist« – möchten wir jedem unserer Leser ans Herz legen, einmal bei Kathrin vorbeizuschauen. Je mehr Menschen sich mit dem Thema Depression beschäftigen, desto größer ist die Chance, dass diese Erkrankung nicht länger an den Rand der Gesellschaft geschwiegen wird. Denn die darunter Leidenden sind nicht mehr und nicht weniger als ganz normale Männer und Frauen. So wie Kathrin eben.
UPDATE: Vor kurzem hat Kathrin angekündigt, nicht mehr nur Depressionen im Mittelpunkt ihres Blogs stehen zu lassen. Eine ebenso konsequente wie nachvollziehbare Entscheidung: Um wirklich »drüberleben« zu können, ist es wahrscheinlich besser, den Fokus nicht immer nur auf die eigene Erkrankung zu richten. Lesenswert bleibt die Seite dank Kathrins toller Schreibe ohnehin.
METAPLOT
METAPLOT unter falscher flagge | Ein Kommentar
Nov
24
2009
Weil sich Genie und Wahnsinn bei ihm die Klinke in die Hand gaben, trieb Roger Claessen Gegenspieler und Vereinsvorstände gleichermaßen an den Rand der Verzweiflung. Während zweier Spielzeiten trug der belgische Torjäger auch das Trikot von Alemannia Aachen. Vor etwas mehr als vierzig Jahren köpfte er die Schwarz-Gelben zur Vizemeisterschaft.
In seiner Tätigkeit als Alemanniapräsident hat Leo Führen schon einiges erlebt. Kaum etwas kann den wortgewandten Textilfabrikanten aus der Fassung bringen. Doch das, was der sonntagnachmittägliche Anrufer gerade erzählt hat, verschlägt ihm schlichtweg die Sprache: »Roger Claessen hat sich als Freiwilliger zur Fremdenlegion gemeldet. Liebeskummer!« Vor seinem inneren Auge sieht er den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte in der flirrenden Wüstenhitze am Horizont entschwinden. Mit gebrochenem Herzen und geschultertem Gewehr. Einen Schweißausbruch und mehrere hektische Telefonate später ist ein rasch entworfener Notfallplan in Gang gesetzt. Als sich das Auswärtige Amt vermittelnd einschaltet, kommt Bewegung in die Sache. Und der liebeskranke Stürmer ungeschoren davon. Letzten Endes verzichten Frankreichs Streitkräfte auf seine Dienste. Am Tivoli atmet man erleichtert auf. … weiter
Christoph unter den nägeln | 2 Kommentare
Mai
7
2009
Kunst kommt von Können.

© Gerry Phillips
Diese Hände hier sind eher vom Leben als von Albrecht Dürer gezeichnet. Und auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit nicht zu verleugnen ist, beten sie gerade gar nicht. Sie machen Musik. Denn Gerry Phillips, der Mann am anderen Ende der dazugehörigen Arme, ist ein Manualist. Uneingeweihte würden ihn vielleicht schlicht als Handfurzer bezeichnen, was seinem außergewöhnlichen Talent aber nicht wirklich gerecht werden würde. Zusammengepresste Luft klingt nun einmal immer ein wenig nach Darmwind. Doch wenn Gerry loslegt, hat das nur noch sehr entfernt mit den ungezählten Pennälerscherzen rund um den Globus zu tun. Der Endvierziger aus Detroit furzt spielt ganze Lieder mit seinen Händen. Seit fast vierzig Jahren. … weiter
Christoph unter haltsam | Kein Kommentar