»Morgen, Kinder, wird’s was geben!« Selten hat ein Weihnachtslied besser gepasst, als am heutigen Tag. Denn morgen, am 1. Dezember, öffnet ein eigentlich unglaubliches Musik-Archiv seine Pforten. Alles, was es da zu hören gibt, stammt nur von einer einzigen Band: Fugazi. (Oder eben Faggesai, wie sich ein Gast dereinst bei einem Aachener DJ wünschte.) Über 1000 Shows haben die Jungens zwischen 1987 und 2003 gespielt. Etwa 800 davon sind durch den Toningenieur der Band aufgezeichnet worden. Und dieses Material wird jetzt peu a peu unter das Fanvolk gebracht. »Fugazi Live Series« nennt sich das Ganze, das mit erst einmal 130 Konzerten anfängt, im Laufe der nächsten Monate ergänzt wird und auf der Seite ihres Plattenlabels Dischord stattfindet. Womit wir dann beim schlechten Teil der Nachricht wären: Umsonst gibt es da nichts. 5$ sind der empfohlene Preis pro Auftritt. Wer es gerade nicht passend hat, kann scheinbar auch weniger bezahlen – oder mehr. Und so war das mit Fugazi live zum Beispiel im Jahr 1991. (Das entsprechende Konzert steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Ich habe schon nachgeschaut.)
Vor ein paar Wochen haben Kim Gordon und Thurston Moore bekanntgegeben, dass sie sich trennen werden. Die Zukunft von Sonic Youth sei somit erst einmal ungewiss. Zumindest die aktuelle Tournee werde man noch zu Ende spielen. Am Montag hat eben diese Tournee ihren Abschluss in Sao Paulo gefunden. Es kann also gut sein, dass diese Aufnahmen das letzte Konzert in der langen Geschichte einer (in meinen Augen) sehr wichtigen Band zeigen. Das aber immerhin in voller Länge. (Und als Playlist gibt es das Ganze dann hier.)
Das Knistern und Knacken, der warme Klang, das Anfassen des Covers: Fragt man Liebhaber der Schallplatte, warum sie in Zeiten digitaler Wiedergabemöglichkeiten immer noch auf ihre analogen Schätzchen setzen, bekommt man verschiedenste Antworten, die aber alle in die selbe Richtung gehen. LP, 10″ oder Single vermitteln Gefühle, die weit über das hinausgehen, was CD oder gar MP3-Player auslösen. Und ja, ich bin der selben Meinung. Darum wundert es mich auch nicht wirklich, dass die schwarzen Scheiben wieder im Kommen sind. Mehr und mehr Künstler lassen ihre Werke auch auf Vinyl (oder in Vinyl?) pressen.
Paolo Campana ist DJ, Plattensammler und seit neuestem auch Filmemacher. In seiner Doku »Vinylmania« geht er der Renaissance der Schallplatte auf die Spur. Und hat dafür die halbe Welt bereist. Paris, Prag, Tokio, San Francisco, New York: Überall hat er Vinylenthusiasten gefunden und mit ihnen gesprochen. Das Ergebnis gab es gestern auf »arte« zu sehen. Die nächsten paar Tage kann man es also noch in deren Mediathek anschauen. Wem der Weg bis dahin zu weit ist, der kann sich auch hier bedienen lassen. Viel Spaß.
Große Teile des vergangenen Wochenendes habe ich in Essen verbracht. Das Bochumer Plattenlabel »Denovali« hatte in der dortigen Weststadthalle zu seinem jährlichen »Swingfest« geladen, einem mittlerweile dreitägigen Festival voller experimenteller Musik. Und weil dabei die komplette Bandbeite von Knirschen & Knacken bis hin zu Ballern & Braten bedient wird, dürfte für so ziemlich jeden Interessierten etwas dabei gewesen sein. Ich jedenfalls habe eine Menge Spaß gehabt mit Jazz, Doom, Ambient, Postrock, Metal oder wie man die ganze Musik sonst noch klassifizieren möchte. Statt eines Konzertberichts – das ist einfach nicht mein Metier – folgt jetzt allerdings nur ein kleines Anekdötchen vom späten Sonntagabend.
Zum krönenden Abschluss der Veranstaltung haben Sunn O))) gespielt – vier Kerle in Mönchskutten, die in einem komplett vernebelten Saal über eine Stunde lang Akkorde und Schreie wabern ließen, deren Lautstärke im wahrsten Sinne des Wortes durch Mark und Bein ging. Teile ihres Auftritts kann man hier, hier und hier bei YouTube ansehenhören. Wahrscheinlich erweise ich mich mal wieder als Banause, wenn ich jetzt zugebe, dass ich das Ganze nicht verstanden habe. (Mitfahrer Uwe hatte auf dem Heimweg eine interessante Theorie, die ich jetzt einfach mal ungebremst wiedergebe: »Das ist weniger Musik als Performance-Kunst. Sunn O))) dekonstruieren damit den Metal, führen ihn an seine Grenze. Langsamer geht nicht, lauter auch nicht. Und das Outfit ist in seiner überspitzten Symbolik kaum zu toppen.«) Nach einer knappen halben Stunde habe ich die Segel gestrichen und mich vom Veranstaltungssaal in den Raum mit der Theke begeben. Und da habe ich dann festgestellt, dass die Haustechnik das Ganze auch nicht verstanden hat. Aber hört doch einfach selbst.
Moment mal, ist heute nicht der 16. September? Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Also, in Sachen Einleitung für dieses Artikelchen, meine ich. Denn heute auf den Tag vor sieben Jahren war ich in Island. Genau heute, nicht gestern und nicht morgen. Hinflug, umgucken, Fußball, Rückflug. Zwar habe ich nicht besonders viel von der Insel gesehen, aber sicher bin ich trotzdem: Ich hätte es da auch länger ausgehalten.
So wie Kai und Marcel, zum Beispiel. (Das ist mal eine Überleitung, was? Rasant und gekonnt!) Die beiden waren im vergangenen Jahr einen runden Monat dort im Norden, haben eine Menge Leute aus der sehr reichhaltigen isländischen Musikszene kennengelernt und auch sonst noch ein paar tolle Dinge erlebt. Da die beiden ihre Erlebnisse in schöne Worte fassen können (und Kai zudem ganz wundervolle Fotos geschossen hat), haben wir seinerzeit Daheimgebliebenen auch etwas von ihrem Trip. Im Rahmen ihres Blogs »Sonic Iceland« breiten Kai und Marcel ihre Reiseerinnerungen Kapitel für Kapitel vor uns Lesern aus. Irgendwann soll das Ganze auch als Buch erscheinen. Bis dahin ist die digitale Fassung aber schon einmal nicht schlecht. Und das ist vollkommen untertrieben. (Bildquelle: Screenshot)
Als Sänger und Gitarrist von The Clash hat Joe Strummer viel dazu beigetragen, dass ich heute die Musik höre, die ich höre. Immer noch ist das selbstbetitelte erste Album einer der ständigen Gäste auf meinem Plattenteller. Im Jahr 2007 hat Julien Temple mit »The Future is unwritten« eine höchst unterhaltsame, informative und einfach schöne Doku über den Mann gedreht, der eigentlich John Graham Mellor hieß. Wie ich gerade bei »Testspiel.de« gesehen habe, kann man den kompletten Film aktuell im Internet finden und anschauen. Das Finden habe ich Euch somit schon einmal abgenommen. Anschauen müsst Ihr jetzt aber selbst. »I’d like you to write Punk Rock Warlord. With Warlord being one word.« (Bildquelle: Wikipedia)
»Two turntables and a microphone.« Die wohl knappste, griffigste, was auch immerste Definition von Rap. Zwei Plattenspieler, besampelt und bescratcht vom Diskjockey und ein Mikrofon, gehalten und mit Texten besprochen vom Master of Ceremony. Diesen beiden eigentlich untrennbaren Eckpfeilern des Sprechgesangs mit rhythmischer Begleitung ist der neunte Doppelpack gewidmet. … weiter
Was zum Rätseln. Zum Mitmachen. Und zum Malen. Das sind gleich drei Dinge auf einmal, die jetzt und hier auf Euch warten. Zu Beginn muss ich aber noch kurz die Geschichte von Jochen und Dirk loswerden.
Weil Jochen Musik mag und ein Händchen für das richtige Lied zur richtigen Zeit hat, legt er von Zeit zu Zeit in Aachener Clubs auf. (beispielsweise morgen bei der »Sportsman Bar« im Aoxomoxoa) Auch Dirk mag Musik. Und wenn der Jochen irgendwo auflegt, kann man ziemlich sicher sein, den Dirk dort anzutreffen. Immer wieder kommt es dann zu Momenten, in denen sich der Dirk beim Jochen gerne ein Lied wünschen möchte. Aber in den Läden ist es immer furchtbar laut, was in Sachen Kommunikation schon einmal ein Problem darstellen kann. Während sich die meisten Leute weit über den Tresen beugen und ihre Wünsche ins Ohr des DJs brüllen oder diese auf einen Zettel schreiben, haben Jochen und Dirk eine ganz andere Art der Unterhaltung für sich entdeckt. Dirk malt die Titel seiner Wunschsongs auf einen Zettel. Jochen errät diese dann und legt die Lieder auf. So schön kann nonverbale Kommunikation sein.
Jetzt sind wir hier in der glücklichen Situation, dass uns die beiden zwei dieser Kunstwerke zur Verfügung gestellt haben. Vielen lieben Dank dafür. (Das Verschwommene auf den Zetteln stammt von uns. Wir wollten nicht in den Verdacht geraten, Werbung für irgendwelche Brauereien zu machen.) Womit wir bei den drei Dingen vom Anfang dieses Artikels wären: Erst einmal dürft Ihr locker flockig drauflosraten, welche Lieder sich Dirk da wohl gewünscht hat. Zum anderen seid Ihr herzlich eingeladen, selber Songtitel zu malen und diese dann hier zu veröffentlichen. Und schon gehts los:
Update 21.9.: Okay, ich löse dann mal auf. Es sind einige sehr passende Tipps hier eingegangen. Dirk hätte sich seinerzeit sicherlich nicht beschweren dürfen, hätte Jochen »This is not a love song« oder »Don’t go breaking my heart« gespielt. Gewünscht hat er sich mit dem Bild aber dieses Lied:
Wahrscheinlich muss man Josh Ottum nicht unbedingt kennen. Ich habe ihn vor etwa fünf Jahren einmal zufällig in Aachen live gesehen. Seinerzeit war er mit seinem ersten Album auf Tour und ist mir vor allem in Erinnerung geblieben, weil er seine Begleitband vom iPod einspielte. Okay, die Musik hat mir auch gefallen, sonst hätte ich damals wohl kaum die Platte gekauft. Im Moment ist er mit deren Nachfolger unterwegs. Und im Rahmen dieser Tour kam er auch nach Köln, in die dortige »Wohngemeinschaft«. Oder eher: vor die »Wohngemeinschaft«. Denn anders als geplant fand das Konzert auf dem Bürgersteig statt. Ob es am überraschend tollen Wetter dieses »Dann doch noch Sommer«-Abends lag, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte Josh Ottum sein Equipment draußen aufgebaut. Diesmal spielte er ohne iPod-Begleitband. Aber seine Lieder funktionieren auch in derlei abgespeckten Ein-Mann-Versionen. Zumindest bei mir. Sonst hätte ich die neue Platte wohl kaum gekauft.
Einen Song vom ersten Album habe ich auch noch mitgenommen. Hier ist das gute Stück:
Auf der Suche nach Videos für den Artikel zum Pukkelpop 91 bin ich auch über einen Film gestolpert, den ich mangels Videorekorder lange Zeit nicht mehr gesehen hatte: »1991 – The Year Punk Broke«. Dave Markey, ein Freund von Sonic Youth, war seinerzeit gebeten worden, deren Europatour im Sommer 1991 mit der Kamera zu begleiten. Dabei ist eine Doku entstanden, die neben diverser Live-Aufnahmen (u.a. auch von Dinosaur Jr., Nirvana, Gumball und Babes in Toyland) auch einige obskure Backstageszenen enthält. Der mehr oder weniger ironische Titel des Films spielt darauf an, dass Sonic Youth die Zeit gekommen sahen. Für ihren Mainstream-Durchbruch und den ihrer Mitreisenden. Und so falsch haben sie mit ihrer Annahme nicht gelegen: Ein halbes Jahr später hatte es vor allem Nirvana auf die Plattenteller aller Diskos und Jugendheime geschafft. Von Punk war allerdings keine Rede. Die Welt sprach von Grunge.
Zum zwanzigsten Jubiläum dieser Tour haben Sonic Youth angekündigt, den Film Anfang September endlich als DVD herauszubringen. Wer so lange nicht warten möchte, kann sich das Ganze jetzt und hier schon ansehen. Lasst Euch aber dadurch nicht davon abhalten, die DVD zu kaufen. Es soll doch keiner behaupten, wir wären alle nur Ömmesönslömmele.