Jan 8 2013

Das Private ist politisch

© Blog do Planalto

Presseschau zu den Wulffs

Ein Paar trennt sich. Eigentlich nichts besonderes, wenn dieses Paar nicht Bettina und Christian Wulff heißen würde. Weil der Ex-Bundespräsident und die Ex-First-Lady sich Lebewohl sagen, dürfte heute wohl jede Zeitung in Deutschland von dem Eheaus berichten. Ist in Ordnung, ebenso, wie man meines Erachtens auch ein paar Zeilen über das Eheende von Sylvie und Raphael van der Vaart verlieren konnte. Da bin ich wahrlich kein Verächter von Boulevardkost. Das Problem bei den Wulffs ist aber, dass ein Teil des Paares mal Politiker war, weshalb nicht wenige Journalisten wohl dachten: „Moment, der war mal Politiker? Da könnte ich doch einen Kommentar schreiben.“ … weiter

Amien unter den nägeln | Ein Kommentar


Sep 20 2012

Flaggen-Ökonomie

Wirtschaftliche Perspektiven für den islamischen Raum

© pooyan

Alles, aber auch wirklich alles ist schmähvideo-technisch inzwischen besprochen worden. So scheint es zumindest. Denn ein Aspekt wurde in der öffentlichen Debatte um den Film „Die Unschuld der Muslime“ bislang sträflich vernachlässigt. Nennen wir es die Flaggen-Ökonomie. Denn eines ist klar, neben extremistischen Hetzern dürfte sich vor allem eine Branche über den Gewaltausbruch gefreut haben: das flaggenproduzierende und -handelnde Gewerbe. … weiter

Amien unter schätzt | Ein Kommentar


Nov 30 2011

Faggesai!

»Morgen, Kinder, wird’s was geben!« Selten hat ein Weihnachtslied besser gepasst, als am heutigen Tag. Denn morgen, am 1. Dezember, öffnet ein eigentlich unglaubliches Musik-Archiv seine Pforten. Alles, was es da zu hören gibt, stammt nur von einer einzigen Band: Fugazi. (Oder eben Faggesai, wie sich ein Gast dereinst bei einem Aachener DJ wünschte.) Über 1000 Shows haben die Jungens zwischen 1987 und 2003 gespielt. Etwa 800 davon sind durch den Toningenieur der Band aufgezeichnet worden. Und dieses Material wird jetzt peu a peu unter das Fanvolk gebracht. »Fugazi Live Series« nennt sich das Ganze, das mit erst einmal 130 Konzerten anfängt, im Laufe der nächsten Monate ergänzt wird und auf der Seite ihres Plattenlabels Dischord stattfindet. Womit wir dann beim schlechten Teil der Nachricht wären: Umsonst gibt es da nichts. 5$ sind der empfohlene Preis pro Auftritt. Wer es gerade nicht passend hat, kann scheinbar auch weniger bezahlen – oder mehr. Und so war das mit Fugazi live zum Beispiel im Jahr 1991. (Das entsprechende Konzert steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Ich habe schon nachgeschaut.)

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Apr 12 2011

Aus Scheiße Gold

© metaplot

Kann man mit dem Hass anderer Leute Geld machen? Aber sicher doch. Im Grunde muss man da nur einen Geschäftsmann fragen, der im Nahen Osten Fahnen der westlichen Welt verkauft. Beispielsweise nach dem Erscheinen der Mohammed-Karikaturen im Jahr 2005 dürften sich er und seine Kollegen ein goldenes Näschen an dänischen Flaggen verdient haben. Schließlich kann man jede Fahne nur genau einmal verbrennen. Etwas weniger religiös, aber ähnlich ergiebig ist wohl die Produktion von Schmäh-Schals für Fußballfans. Sieht man sich in den hiesigen Stadien um, wird schnell klar, dass Strickwaren mit Aufschriften Marke »Mit Essen spielt man nicht«, »Was ist grün und stinkt nach Fisch?« oder schlicht »Scheiß Waldhof Mannheim« ausreichend Abnehmer finden.

Seit kurzem existiert auch im Internet ein Modell, um fremden Zorn in ein bisschen Bling-Bling zu verwandeln. Angenehmer Nebeneffekt: Man wird so auch noch die Troll-Kommentare im eigenen Blog los. Dafür muss man sich lediglich dem Netzwerk anschließen, das sich auf dieser Seite zusammengefunden hat. Wordpress-Benutzer können dann nach dem Installieren eines entsprechenden Plugins allen digitalen Sprachmüll unmittelbar an hatr.org schicken. Dort wird das Ganze ungebremst veröffentlicht. Die Werbung auf der Seite bringt ein wenig Geld ein, das für einen guten Zweck verwendet wird. Dieser gute Zweck wird innerhalb des Netzwerks abgestimmt. Klingt super, hat im Moment noch zwei kleine Häkchen: Zum einen läuft das Projekt noch in der Beta-Phase, weswegen man nur auf Einladung in die Community kommt. Zum anderen ist die Idee für diese Seite auf dem Gendercamp 2010 entstanden. Das führt dazu, dass momentan vor allem Blogs vernetzt zu sein scheinen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Die veröffentlichten Kommentare jedenfalls sind im Moment noch sehr monothematisch und daher für den Leser auf Dauer etwas wiederholungsintensiv. (Vielleicht sollte man auch nicht so viele Troll-Kommentare auf einmal lesen.) Das wird sich aber in Zukunft vielleicht noch ändern.

UPDATE: Sebastian Vollnhals (Was für eine grandiose Anonymisierung! Also, echt jetzt.) im Interview mit der taz. Der Schwerpunkt wird bis auf weiteres auf Kommentare aus feministischen Blogs gelegt.

Christoph unter haltsam | Ein Kommentar


Mrz 23 2011

Dann eben so

Diese Lieder sind in Deinem Land verfügbar.

© YouTube

Wer kennt es nicht? Plötzlich ist da dieses Lied im Kopf. Der Ohrwurm lässt einem keine Ruhe. Man muss den Song jetzt hören. Genau jetzt! Weil man gerade eh online ist, surft man mal eben rüber zu YouTube. Da findet sich doch immer alles. Also Suchbegriff eingeben, das Lied im Nu finden, anklicken und … nichts. Einmal abgesehen von diesem lästigen Sprüchlein: »… in deinem Land nicht verfügbar.« Zack, guckt man in die Röhre. »Das tut uns leid.« Mir auch! Weil mir das in der vergangenen Stunde dreimal so ergangen ist, mache ich jetzt Nägel mit Köpfen. Nach dem Klick findet Ihr meine drei jüngsten Ohrwürmer. Und die sind garantiert auch in Eurem Land verfügbar. Vielen Dank dafür an StitchedElf, congadawg und vkgoeswild (in genau dieser Reihenfolge). … weiter

Christoph unter haltsam | 4 Kommentare


Mrz 16 2011

Musik ist Trumpf…

und sagt uns wie schlimm das ist

YouTube Preview ImageFür Menschen, die nach Erdbeben und Tsunami in Japan emotional immer noch unentschlossen waren, bot das Heute-Journal am 12. März einen wegweisenden Service. Die Redakteure erkannten, dass der Zuschauer nach nüchternen Informationen über Tektonik, pazifische Feuerringe und AKW, eine emotionale Einordnungshilfe benötigt. Deshalb schloss das Magazin mit einer filmischen Collage, in der die »bewegendsten Bilder« zusammengefasst und – um sicher zu gehen, dass der Zuschauer auch bewegt ist – mit Musik untermalt wurden. »Teardrop« von »Massive Attack«(!). Um zu verdeutlichen, dass die drohende Atomkatastrophe im Mittelpunkt der Sorge stehen sollte, explodierte der Reaktor in Fukushima zu Beginn und zum Ende des Clips – aus ästhetischen Gründen im Takt der Musik. … weiter

Amien unter irdisch | Ein Kommentar


Feb 22 2011

BlaBlaMeter

Wie viel Bullshit steckt im Text?

© BlaBlaMeter

Derzeit ist der Umgang mit Texten ja in aller Munde. Woran erkennt man ein Plagiat? Was kann man noch unter Versehen verbuchen? Wo fängt das vorsätzliche Bescheissen an? Ist Kopieren und Einfügen am Ende sogar das neue wissenschaftliche Arbeiten? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich diese Seite nicht. Vielmehr wird hier einfach nur nach leerem Geschwätz in den Texten gesucht. Verfasser von Pressemitteilungen werden das, je nach Arbeitsmoral, mit Freude oder Schrecken vernehmen. Und nicht nur die. Der zu Grunde liegende Algorithmus hat sich uns noch nicht erschlossen. Dass er funktioniert, liegt aber auf der Hand. Das Bild dort oben zeigt zum Beispiel den Bullshit-Gehalt der ersten Sätze von Christophs jüngstem Elaborat an: Null Prozent! Wer möchte da noch an der Korrektheit dieser Überprüfung zweifeln. Vielen Dank für die Blumen. Vielleicht kann man ja beizeiten einmal die eine oder andere Dissertation durch diesen Check jagen. Oder einen Liebesbrief der Ex-Freundin. Oder was auch immer. Viel Spaß, jedenfalls.

METAPLOT

METAPLOT unter falscher flagge | Kein Kommentar


Feb 15 2011

Kurze Zwischenfrage

Kann mir irgendjemand auf Anhieb erklären, was dieser Lobo in der Garage von meinem Opa macht?

Christoph unter den nägeln | Ein Kommentar


Okt 6 2010

Landpartie

Aber hier leben…

© metaplot

Morgens, halb Zehn in Deutschland. Ein Termin in einer Autowerkstatt hat mich in meinen Geburtsort verschlagen. Sonst immer in Boxenstoppmanier durchgezogen, soll das Schrauben diesmal etwas länger dauern. »Mindestens drei Stunden«, schätzt der Meister. Im Verlauf der letzten Jahre bin ich niemals mehr als ein paar Minuten hier gewesen. Ich nutze die frei gewordene Zeit, um durch die Straßen zu schlendern, und werde eiskalt erwischt. In meinen Kindheitserinnerungen bunt und lebendig, wirkt die Kleinstadt jetzt grau und verhärmt. Ein trostloser Vormittag in drei Begegnungen. … weiter

Christoph unter wegs | 2 Kommentare


Sep 13 2010

Sarrazin muss in die Überschrift

Wir wollen schließlich auch ein Stück vom medialen Kuchen

Jedem, der sich mit Sprache beschäftigt, ist schon einmal der eine oder andere niedliche Vertipper über den Weg gelaufen. Da wird im Artikel über den ÖPNV aus den Bussen, die von vielen Fahrgästen bestiegen werden, ganz flott der Busen. Oder der Trittleiter fehlt plötzlich ein L und alle halten nach Pusteln Ausschau, die sich während des Gehens schlagartig entleeren.

Neben diesen Tippfehlern, sorgen bei mir die Rechtschreibehilfen der Textverarbeitungsprogramme immer wieder für großes Amüsement. Man hat einen Text geschrieben, ein oder zwei Mal Korrektur gelesen und lässt als letzte Instanz die Rechtschreibeprüfung über den Text laufen. Neben berechtigter Kritik moniert die Maschine aber mitunter Begriffe, die vollkommen korrekt sind und schlägt dann Alternativen vor, die manchmal unsinnig, manchmal lustig, manchmal aber auch äußerst tiefsinnig sind. Viel zu viele dieser Beispiele habe ich kurz registriert und nach einem Schmunzeln wieder vergessen. Deshalb hier nur zwei davon. … weiter

Amien unter bewusst | Kein Kommentar