Das Knistern und Knacken, der warme Klang, das Anfassen des Covers: Fragt man Liebhaber der Schallplatte, warum sie in Zeiten digitaler Wiedergabemöglichkeiten immer noch auf ihre analogen Schätzchen setzen, bekommt man verschiedenste Antworten, die aber alle in die selbe Richtung gehen. LP, 10″ oder Single vermitteln Gefühle, die weit über das hinausgehen, was CD oder gar MP3-Player auslösen. Und ja, ich bin der selben Meinung. Darum wundert es mich auch nicht wirklich, dass die schwarzen Scheiben wieder im Kommen sind. Mehr und mehr Künstler lassen ihre Werke auch auf Vinyl (oder in Vinyl?) pressen.
Paolo Campana ist DJ, Plattensammler und seit neuestem auch Filmemacher. In seiner Doku »Vinylmania« geht er der Renaissance der Schallplatte auf die Spur. Und hat dafür die halbe Welt bereist. Paris, Prag, Tokio, San Francisco, New York: Überall hat er Vinylenthusiasten gefunden und mit ihnen gesprochen. Das Ergebnis gab es gestern auf »arte« zu sehen. Die nächsten paar Tage kann man es also noch in deren Mediathek anschauen. Wem der Weg bis dahin zu weit ist, der kann sich auch hier bedienen lassen. Viel Spaß.
Habt Ihr gerade mal ein halbes Stündchen Zeit? Bei Phoenix lief vor kurzem im Rahmen der Reihe »Vor 30 Jahren« eine Doku, deren Infotext sich verheißungsvoll las:
»In amerikanischen Großstädten werden seit Mitte der achtziger Jahre Projekte zur Verbesserung der Ernährung in den Slums durchgeführt. Die zirka 2000 Gärten, die bereits in den ersten zwei Jahren auf Trümmerfeldern, Dächern und in Hinterhöfen hochgepäppelt wurden, haben tatsächlich etwas in den Armenvierteln in Bewegung gebracht, das beinahe wichtiger ist als die Produktion von eigenem Gemüse. In verwahrlosten Stadtregionen, in denen immer mehr Häuser verfallen, angezündet oder abgerissen werden und in denen die Menschen vor der wachsenden Zerstörung, Kriminalität und Arbeitslosigkeit resigniert haben, sind die Gärten zu einem Überlebenssymbol geworden, zu kreativen Werkstätten im Freien, in denen wieder ein Verantwortungsgefühl für die Wohnumgebung heranwächst.« (phoenix.de)
Mein Interesse war geweckt und nach dem Anschauen von »Grüne Therapie: Gärten in den Slums von New York« kann ich sagen: Zeitverschwendung geht anders. Ein Freund solch alternativ-urbaner Themen hat sich jetzt darum gekümmert, dass die Sendung nicht für die nächsten 30 Jahre wieder in der Schublade verschwindet. Was mir die Gelegenheit gibt, sie Euch ans Herz zu legen. Hier ist das Ding:
Beim Brainstorming ist alles erlaubt. Eine Runde freies Assoziieren hat noch niemandem geschadet. Schalke gegen Bayern, große Bühne, Diven, Fußballoper. Das kann man mal vor sich hin denken. Aber muss aus diesen Gedankengängen gleich ein brandneues Konzept für eine Fußballübertragung gemacht werden? Der Sender Sky hat diese Frage am vergangenen Samstag mit »Ja« für sich beantwortet. Und so sind die Kunden des Bezahlsenders beim Abendspiel der Bundesliga in einen ganz besonderen Genuss gekommen. Einen ganz besonders seltsamen Genuss. Während auf Tonoption 1 Marcel Reif das Spiel kommentierte, übernahm diese Aufgabe auf Kanal 2 gleich ein ganzes Quartett. Frei improvisierend, boten vier Opernsänger den Ton zum bewegten Bild. Eindrucksvoll haben sie dabei unter Beweis gestellt, dass Arien nur sehr bedingt freestyletauglich sind. Vor allem aber, dass man beim freien Assoziieren auf eine Menge Quatsch kommen kann.
Nein, heutzutage würde ich keine pastellfarbenen Sweatshirts mehr tragen. In die stone-washed Jeans würde ich sie schon gar nicht stecken. Ein paar andere Sachen, die ich in den 80ern veranstaltet habe, mache ich über zwanzig Jahre später allerdings immer noch. »Ferris macht blau« gucken, zum Beispiel. »Pretty in Pink« auch. Und »Breakfast Club« sowieso. Beim Durchwühlen meiner Lesezeichen bin ich jetzt auf eine kleine Montage gestossen, die ich Euch auf keinen Fall vorenthalten möchte. Und weil es irgendwie passt, gibt es dahinter noch eine Zugabe. »Aktenzeichen xy… ungelöst« gucke ich zwar heutzutage nicht mehr, in den 80ern aber eben schon. … weiter
Österreichischer Fußball wird hier in Deutschland immer ein bisschen belächelt. Im Vergleich zur hiesigen Bundesliga kann die dortige Bundesliga einfach nicht mithalten. Zumindest wenn es um das Sportliche geht. Um Spieltempo und -attraktivität beispielsweise. In einer Sache sind uns unsere südlichen Nachbarn allerdings um Längen voraus. Die Aufbereitung der Spiele im Fernsehen hat einen nahezu unerreichbaren Unterhaltungswert. Da wird niemand am Trikot gezogen, sondern am Leiberl. Die Flanke, alias Crosspass, kommt auch nicht auf den langen Pfosten, sondern auf das zweite Stangerl. Und wie öde klingt das Wort Hackentrick, wenn es doch auch Fersler heißen kann? Doch um die sprachlichen Eigenheiten soll es hier nur am Rande gehen. Denn nach dem Schlusspfiff geht der Spaß erst richtig los. Während hierzulande jeder Trainer oder Spieler fleißig in der »Phrasenschublade für Fußball-Interviews« kramt, wird in Österreich bei Bedarf einfach Klartext geredet. … weiter
Alle Achtung! Dieser Pepe hat es wirklich mächtig drauf. Nachdem er seinen Gegner mit einem geschickten Schubser auf die Bretter geschickt hat, zeigt er ihm auf dem Boden mit aller Vehemenz, wo Bartel den Most holt. Da bleibt kein Auge trocken. Das ist Wrestling vom Allerfeinsten. Gerade will der heißblütige Portugiese seinen »Finishing Move« ansetzen, als er unverhofft weggezerrt wird. Ohne dieses Eingreifen der anderen hätte Pepe garantiert den Gürtel mit nach Hause genommen. Wenn, ja wenn das da am Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu zu Madrid tatsächlich Catchen gewesen wäre. War es aber nicht. Dem Vernehmen nach soll es sich wohl doch eher um Fußball gehandelt haben. Und Pepe ist auch gar kein Weltklasse-Wrestler. Er ist Verteidiger bei Real Madrid. … weiter
Kleine Quizfrage zu Beginn: Wer ist Recklinghausens berühmtester Sohn? Stimmt: Hape Kerkeling. Aber auch Ralf Möller ist nicht unbekannt. Der 1959 geborene ›Hollywood-Star‹ hat sich kontinuierlich vom Bademeister (hat nach eigenen Angaben Hape das Schwimmen beigebracht) zum Mr. Universum hoch gearbeitet und begann Ende der 1980er Jahre ins Filmgeschäft einzusteigen. Nach seinem ersten Kurzauftritt im Tatort (immerhin mit Schimanski) übernahm Möller auch Rollen in Hollywood-Produktionen. 1997 dann der große Durchbruch als Titelheld in der US-Serie »Conan«. Größter Erfolg, den er uns immer wieder unter die Nase reibt, war die Rolle des Hagen in Ridley Scotts »Gladiator«. Jetzt hat er ein Haus in Malibu, zählt Arnold Schwarzenegger zu seinen Freunden und kann lecker Zigarre rauchen. … weiter
Sicherster Weg, um auf dem Schulhof ins soziale Abseits zu geraten? Zu meiner Zeit gab es neben dem Gummitwisten noch eine weitere Möglichkeit. Man musste montags auf die Frage »Hast Du am Samstag bei ›Wetten Dass‹ diesen Typen gesehen, der den LKW auf die Biergläser gestellt hat?« einfach mit »Nö hab´ ich nich´ gesehen« antworten. Schon war man zum Kästchenhüpfen oder für Klatschspiele freigestellt. Damals, als es nur drei Programme und den Sendeschluss gab, beherrschten bestimmte Sendungen den schulhöfischen Diskurs, wie es heute nur noch selbstgedrehte Gewaltvideos tun. Neben der Wettshow war das vor allem »Verstehen Sie Spaß?«, das heute witziger- oder vielmehr unwitzigerweise von Frank Elstner moderiert wird (oben mein alltimefavourite aus seeligen Paola und Kurt Felix-Zeiten sehen). … weiter
Irgendwie hat man sie ja ziemlich liebgewonnen, die alten Journalistenhaudegen, die uns die Welt erklären. Allerdings gilt es auch hier zu differenzieren (Ihr wisst schon: »Es gibt kein Schwarz und Weiß, sondern nur Schattierungen von grau«). Dieter Kronzucker zum Beispiel, der Erfinder des trotz Tobias Schlegel immer noch sehenswerten Satiremagazins »Extra 3«, moderiert auf N24 die Sendung Kronzuckers Welt (auch in der Kosmosversion erhältlich) und beschränkt sich dort auf die Ansage hochbrisanter Dokumentationen mit Titeln wie »Tresorbau – Müller Safe« oder »Ausbildung zum Euro-Fighter-Piloten«. … weiter
Citylights und Bushaltestellen quer durch die Republik verbreiten seit Wochen die frohe Kunde: Uri Geller sucht schon wieder seinen Nachfolger. (Wahrscheinlich hätte für diese Feststellung auch ein Blick in die Fernsehzeitung gereicht, aber irgendwie lohnt der sich schon seit längerem nicht mehr. Und das sageschreibe ich jetzt nicht, um demnächst bei Familie Reich-Ranicki zu Kaffee und Kuchen eingeladen zu werden.) Streng genommen müsste es diesmal ja eigentlich »The übernext Uri Geller« heißen. Schließlich ist Deutschlands beliebtester Besteckquäler doch erst vor einem Jahr fündig geworden. Mit Rabenhorst, nein, mit VincentRaven hat er einen wirklich würdigen Erben an Land gezogen. Beim Anblick dieses heiseren Vogelflüsterers in Aktion habe ich mindestens genau so herzhaft gelacht wie meine Eltern bei des Mentalisten-Meisters Löffelbiegereien Anno ‘73. … weiter