Mai 4 2011

Knöper das Sandmännchen

© Sean Hart

Die Informationen sind ein bisschen spärlich. Aber man muss ja auch nicht immer alles wissen. Was ich über »Fuck the Sandman« weiß, ist jedenfalls ziemlich flott zusammengefasst: Ein Mann namens Sean Hart schreibt in einem Ort namens Paris seit dem vergangenen Jahr Botschaften auf Matratzen, die er am Wegesrand findet. (Vielleicht legt er die da auch selber hin. Soweit gingen die Informationen auf seiner Seite dann auch wieder nicht. Ich habe mich beim Anschauen der Bilder für die Variante »Künstler bemalt Sperrmüll« entschieden.) Die Nachrichten, die er hinterlässt, drehen sich im Großen und Ganzen um die Themen Schlafen und Träumen. Und die Matratzen sind hinterher immer noch benutzbar. So wird keinem Clochard im Namen der Kunst der Schlafplatz geklaut. Weiter so, Sean. Und danke fürs Zeigen, Jürgo. (Bildquelle: Fuck the Sandman)

Christoph unter haltsam | Ein Kommentar


Mrz 19 2011

Oasen in der Betonwüste

Habt Ihr gerade mal ein halbes Stündchen Zeit? Bei Phoenix lief vor kurzem im Rahmen der Reihe »Vor 30 Jahren« eine Doku, deren Infotext sich verheißungsvoll las:

»In amerikanischen Großstädten werden seit Mitte der achtziger Jahre Projekte zur Verbesserung der Ernährung in den Slums durchgeführt. Die zirka 2000 Gärten, die bereits in den ersten zwei Jahren auf Trümmerfeldern, Dächern und in Hinterhöfen hochgepäppelt wurden, haben tatsächlich etwas in den Armenvierteln in Bewegung gebracht, das beinahe wichtiger ist als die Produktion von eigenem Gemüse. In verwahrlosten Stadtregionen, in denen immer mehr Häuser verfallen, angezündet oder abgerissen werden und in denen die Menschen vor der wachsenden Zerstörung, Kriminalität und Arbeitslosigkeit resigniert haben, sind die Gärten zu einem Überlebenssymbol geworden, zu kreativen Werkstätten im Freien, in denen wieder ein Verantwortungsgefühl für die Wohnumgebung heranwächst.« (phoenix.de)

Mein Interesse war geweckt und nach dem Anschauen von »Grüne Therapie: Gärten in den Slums von New York« kann ich sagen: Zeitverschwendung geht anders. Ein Freund solch alternativ-urbaner Themen hat sich jetzt darum gekümmert, dass die Sendung nicht für die nächsten 30 Jahre wieder in der Schublade verschwindet. Was mir die Gelegenheit gibt, sie Euch ans Herz zu legen. Hier ist das Ding:

Christoph unter den nägeln | Kein Kommentar


Feb 24 2011

Geliebter Sperrmüll

Kunst am Straßenrand

»I want to wake up in a city that never sweeps.« Wäre Ol’ Blue Eyes Frank Sinatra mit einer Hasenscharte Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte zur Welt gekommen, hätte er wahrscheinlich eher Sofia besungen als New York. Denn in der bulgarischen Hauptstadt wird die Straße nicht gekehrt. Zumindest habe ich das so beim Durchschauen des Blogs verstanden, den ich neulich bei Auhuur entdeckt habe. Alles hat sich mir wegen fehlender Sprachkenntnisse nicht erschlossen, weswegen ich mich hauptsächlich mit dem Betrachten der Bilder auf der Seite beschäftigt habe. Und die zeigen die »Trash Loverz« beim Verschönern des Gerölls, das sie auf der Straße finden. Die Ergebnisse sind absolut sehenswert. Ganz besonders gefällt mir das Video dort oben, in dem man den Damen und Herren beim Werkeln zuschauen kann. Kalligraphie nur mit einem Filzstift: Alle Achtung!

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar


Dez 17 2009

Urbane Kleinode

Von der Straße in die Galerie

Leinwand für alleWenn es um Graffiti geht, bin ich relativ wählerisch. Bilder, die sich über eine komplette Hauswand oder einen Zugwaggon erstrecken, sind beispielsweise eher nicht mein Ding. Dabei halte ich solcherlei Werke durchaus für Kunst. Doch auch wenn mich die Oldschool-Fraktion jetzt wahrscheinlich für einen Banausen halten wird, sind diese »Pieces« für meinen Geschmack oft zu groß, zu verspielt und zu bunt. Natürlich gibt es Ausnahmen. Am meisten begeistern mich allerdings die kleinen, dezenten Sprühereien, über die man eher zufällig stolpert. (Nein, nicht »Tags«. Deren Sinn kann ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht nachvollziehen. Laut Wikipedia laufen die unter dem Oberbegriff »Revier markieren«. Hunde regeln so etwas über das Pinkeln. Dem ambitionierten Street-Styler hingegen bleibt in seiner Hood nur das Hinterlassen eines möglichst unleserlichen Logos. Immerhin sieht das deutlich mehr nach Kunst aus als ein schnödes »Kevin was here«.) Mal ist es ein Slogan, mal ein Bild. Meist sind sie mit Schablonen in irgendwelche Ecken gesprüht worden, um mich von da aus zum Schmunzeln zu bringen. Oder auch zum Nachdenken. Idealerweise zu beidem. Weil ich diese anonymen Botschaften seit einiger Zeit auf Fotos »sammle«, gibt es nach dem Klick eine ganze Galerie davon. Einer meiner Lieblinge ist leider nicht dabei. Zu der Zeit als »Dieser Satz kein Verb« auf einem Aachener Bürgersteig stand, hatte ich noch nicht ständig einen Fotoapparat in der Tasche. Auch nicht im Telefon. … weiter

Christoph unter wegs | Kein Kommentar