Alles, aber auch wirklich alles ist schmähvideo-technisch inzwischen besprochen worden. So scheint es zumindest. Denn ein Aspekt wurde in der öffentlichen Debatte um den Film „Die Unschuld der Muslime“ bislang sträflich vernachlässigt. Nennen wir es die Flaggen-Ökonomie. Denn eines ist klar, neben extremistischen Hetzern dürfte sich vor allem eine Branche über den Gewaltausbruch gefreut haben: das flaggenproduzierende und -handelnde Gewerbe. … weiter
Die Laufbahn von MC Rene als Karriere zu bezeichnen wäre vermutlich übertrieben. Der Rapper aus der Nicht-Gerade-Hip-Hop-Hochburg Braunschweig ist ein Kind der ersten deutschen Reimgeneration. Er verdiente sich Anfang der 90er Jahre erste Sporen auf Jams und galt ganz kurz als das nächste große Ding – in einer Zeit wohlgemerkt, in der es was deutschen Rap angeht viele nächste große Dinger gab. Es folgten fünf Alben, Moderationen mit Oliver Pocher sowie beim Hip-Hop-Magazins Mixery Raw Deluxe und eine Kollaboration mit DJ Tomekk, die ihn wohl das letzte Stück Szenen-Credibilität verlieren ließ. Alles in allem also nicht der Rede wert.
Wenn es da nicht „Die Enthüllung“ aus dem Jahr 2005 gäbe. Ein Stück, das rückblickend als eine Art letztes Aufbäumen verstanden werden kann. Reen, so nannte er sich inzwischen, war Ende Zwanzig und schien den Traum davon, es doch noch einmal mit der Musik zu schaffen, noch nicht aufgegeben zu haben. Er packte seine ganze Wut über dissende Kollegen und die Ungerechtigkeiten der Branche, wenn nicht der ganzen Welt, in den Track und ließ seine „Karriere“ Revue passieren. Unterbrochen wird die Abrechnung lediglich von Zwischenansagen des damals aufstrebenden und äußerst credibilen Sido. Herausgekommen ist „Deutschlands längster Solotrack“, der obwohl oder gerade weil er so selbstgerecht und verbittert ist, zu Herzen geht.
Und was macht MC Rene jetzt? Vor zwei Jahren kündigte er sowohl seinen Job im Callcenter als auch seine Wohnung, kauft sich eine Bahncard 100 und reiste als Hip-Hop-Comedian durch Deutschland. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben und – man glaubt es kaum – auch wieder einen Track aufgenommen. Das Leben ist und bleibt eben ein Struggle. (Bildquelle: Flickr)
Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Nach Ansicht vieler Philosophen ist es vor allem das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit, die der homo sapiens seinem tierischen Verwandten voraushat. Wobei unser heutiger Doppelpack zeigt, dass dieses Wissen eher Fluch als Segen ist. Denn wer vom Ende weiß, kann sich bis zu selbigem allerhand Gedanken über Sinn und Unsinn des Lebens machen. Sowohl bei „The Godfathers“ als auch bei „Blumentopf“ schlägt das Pendel eindeutig in Richtung Unsinn aus. Den Paten aus London verdanken wir mit der Textzeile „Birth, School, Work, Death“ die wohl kürzeste und universalste Biografie der Musikgeschichte. Und bei Blumentopfs „Manfred Mustermann“ läuft es im Prinzip aufs Gleich hinaus, wenn die Münchener dafür auch deutlich mehr Worte benötigen. Klar ist auch, dass man auf solche Stücke von Kühen, Ziegen & Co. bislang vergeblich gewartet hat. (Bildquelle: Flickr)
Das ist Alex Chadwick von der Musikalienfachhandlung »Chicago Music Exchange«, oder zumindest sind das einige Teile von ihm: sein Oberkörper, seine Arme und Hände und nicht zuletzt seine 1958er Fender Stratocaster. Mit der spielt der gute Alex innerhalb von 12 Minuten sagenhafte 100 legendäre Riffs – in einem Take. Weil er das in chronologischer Reihenfolge tut, gibt er mit diesem Video einen ebenso schönen wie knackigen Überblick über die Geschichte des Rock ‘n’ Roll. Den Anfang macht er mit Chet Atkins’ »Mr. Sandman« und dann dürfte für so ziemlich jeden etwas dabei sein. Viel Vergnügen. Und bei Interesse findet Ihr weitere Informationen auf der Seite des Shops, für den Alex arbeitet. (Bildquelle: Screenshot)
Ein Doppelpack der Gegensätze? (Hier noch einmal die Spielregeln unserer Doppelpack-Reihe) Nur scheinbar. Denn so diametral entgegengesetzt „Berlin“ von Ideal, als Ode an die Spreemetropole, und „Ich will nicht nach Berlin“ von Kraftklub, als Anti-Hauptstadtlied, auf den ersten Blick wirken, so sehr kommen sie durch den Faktor Zeit wieder zusammen.
Als Ideal 1980 „Wir stehen auf Berlin“ sangen, meinten sie nämlich das Berlin der bipolaren Weltordnung. Das Berlin, das als westdeutsche Enklave im roten Ostblock lag und somit der Inbegriff der Peripherie war. Die Peripherie, deren Antithese der Zentralismus ist, für den Berlin seit der Wiedervereinigung steht, und gegen den Kraftklub nicht nur in „Ich will nicht nach Berlin“ ansingen. Es schlägt also das gleiche Herz in den beiden Stücken. Und auch musikalisch lassen sich Parallelen entdecken. Bitte schön:
Ich könnte jetzt erzählen, dass »Licensed to Ill« eines meiner ersten Vinyl-Alben war, dass »Check your head« meine Beziehung zum Hip Hop nachhaltig verändert hat, dass ich die Videos zu »Sabotage« und »Intergalactic« immer noch von ganzem Herzen liebe, dass ich auch mit Ende 30 noch bescheuerte Breakdance-Versuche unternehme, wenn ich »To the 5 Boroughs« (alleine) höre, oder dass ich mich unheimlich gefreut habe, als vor ziemlich genau einem Jahr »Hot Sauce Committee Part Two« erschienen ist.
Vielleicht erzähle ich das eines Tages einmal in aller Ausführlichkeit. Jetzt möchte ich einfach nur loswerden, dass mich der Tod von Adam Yauch so traurig macht, wie ich es nicht erwartet hätte. Wahrscheinlich liegt das daran, dass er auf viele verschiedene Arten einer von den wirklich Guten war, mit denen ich groß geworden bin. Und nicht nur ich…
Sollte mich jemals jemand fragen, warum ich so gerne Konzerte besuche, werde ich ihm höchstwahrscheinlich Videos wie dieses zeigen. Die Band heißt »And so I watch you from afar«, das Lied »The Voiceless« und nein, auf diesem Konzert bin ich nicht gewesen. Schade, eigentlich.
Neulich ist »Onwards to the Wall«, die neue EP von »A Place to bury Strangers« erschienen. Und jedesmal wenn ich ein bestimmtes Lied auf dieser Platte höre, geht mit mir der Assoziationsgaul durch. Weil ich gerade zwischen Tür und Angel ein paar Minütchen Zeit habe, möchte ich Euch an meinen »Hey, Moment mal, das ist doch…«-Gedanken teilhaben lassen. Darum kommt jetzt zuerst »So far away« und dann das andere Lied. Frappierend, die Ähnlichkeit, oder?
Vor ein paar Wochen haben Kim Gordon und Thurston Moore bekanntgegeben, dass sie sich trennen werden. Die Zukunft von Sonic Youth sei somit erst einmal ungewiss. Zumindest die aktuelle Tournee werde man noch zu Ende spielen. Am Montag hat eben diese Tournee ihren Abschluss in Sao Paulo gefunden. Es kann also gut sein, dass diese Aufnahmen das letzte Konzert in der langen Geschichte einer (in meinen Augen) sehr wichtigen Band zeigen. Das aber immerhin in voller Länge. (Und als Playlist gibt es das Ganze dann hier.)
Das Knistern und Knacken, der warme Klang, das Anfassen des Covers: Fragt man Liebhaber der Schallplatte, warum sie in Zeiten digitaler Wiedergabemöglichkeiten immer noch auf ihre analogen Schätzchen setzen, bekommt man verschiedenste Antworten, die aber alle in die selbe Richtung gehen. LP, 10″ oder Single vermitteln Gefühle, die weit über das hinausgehen, was CD oder gar MP3-Player auslösen. Und ja, ich bin der selben Meinung. Darum wundert es mich auch nicht wirklich, dass die schwarzen Scheiben wieder im Kommen sind. Mehr und mehr Künstler lassen ihre Werke auch auf Vinyl (oder in Vinyl?) pressen.
Paolo Campana ist DJ, Plattensammler und seit neuestem auch Filmemacher. In seiner Doku »Vinylmania« geht er der Renaissance der Schallplatte auf die Spur. Und hat dafür die halbe Welt bereist. Paris, Prag, Tokio, San Francisco, New York: Überall hat er Vinylenthusiasten gefunden und mit ihnen gesprochen. Das Ergebnis gab es gestern auf »arte« zu sehen. Die nächsten paar Tage kann man es also noch in deren Mediathek anschauen. Wem der Weg bis dahin zu weit ist, der kann sich auch hier bedienen lassen. Viel Spaß.