Vor ein paar Wochen haben Kim Gordon und Thurston Moore bekanntgegeben, dass sie sich trennen werden. Die Zukunft von Sonic Youth sei somit erst einmal ungewiss. Zumindest die aktuelle Tournee werde man noch zu Ende spielen. Am Montag hat eben diese Tournee ihren Abschluss in Sao Paulo gefunden. Es kann also gut sein, dass diese Aufnahmen das letzte Konzert in der langen Geschichte einer (in meinen Augen) sehr wichtigen Band zeigen. Das aber immerhin in voller Länge. (Und als Playlist gibt es das Ganze dann hier.)
Das Knistern und Knacken, der warme Klang, das Anfassen des Covers: Fragt man Liebhaber der Schallplatte, warum sie in Zeiten digitaler Wiedergabemöglichkeiten immer noch auf ihre analogen Schätzchen setzen, bekommt man verschiedenste Antworten, die aber alle in die selbe Richtung gehen. LP, 10″ oder Single vermitteln Gefühle, die weit über das hinausgehen, was CD oder gar MP3-Player auslösen. Und ja, ich bin der selben Meinung. Darum wundert es mich auch nicht wirklich, dass die schwarzen Scheiben wieder im Kommen sind. Mehr und mehr Künstler lassen ihre Werke auch auf Vinyl (oder in Vinyl?) pressen.
Paolo Campana ist DJ, Plattensammler und seit neuestem auch Filmemacher. In seiner Doku »Vinylmania« geht er der Renaissance der Schallplatte auf die Spur. Und hat dafür die halbe Welt bereist. Paris, Prag, Tokio, San Francisco, New York: Überall hat er Vinylenthusiasten gefunden und mit ihnen gesprochen. Das Ergebnis gab es gestern auf »arte« zu sehen. Die nächsten paar Tage kann man es also noch in deren Mediathek anschauen. Wem der Weg bis dahin zu weit ist, der kann sich auch hier bedienen lassen. Viel Spaß.
Das klang jetzt ganz schön nach Englisch, oder? War es aber nicht. Dieser Kurzfilm namens »Skwerl« täuscht die Sprache nur vor. Ich fühlte mich spontan an die Zeit erinnert, als ich trotz fehlender Sprachkenntnisse alle Charthits lauthals mitgesungen habe. Den schönsten Kommentar zu dem Film habe ich bei YouTube gelesen – von einem Muttersprachler:
»Wait, this was in fake english?! I gotta lay off the weed, I understood everything.«
Und gefunden habe ich das Ganze bei Neatorama. Dä.
Vor geraumer Zeit haben wir (unter anderem) hier mal ein paar Filmchen herumgezeigt, die (a) in der Stop-Motion-Technik aufgenommen worden waren und uns (b) ganz besonders gut gefallen haben. Der gleich folgende Anderthalbminüter passt ganz gut in diese Reihe. Und weil es dazu nicht mehr zu erzählen gibt, lasse ich es auch bleiben.
Als Sänger und Gitarrist von The Clash hat Joe Strummer viel dazu beigetragen, dass ich heute die Musik höre, die ich höre. Immer noch ist das selbstbetitelte erste Album einer der ständigen Gäste auf meinem Plattenteller. Im Jahr 2007 hat Julien Temple mit »The Future is unwritten« eine höchst unterhaltsame, informative und einfach schöne Doku über den Mann gedreht, der eigentlich John Graham Mellor hieß. Wie ich gerade bei »Testspiel.de« gesehen habe, kann man den kompletten Film aktuell im Internet finden und anschauen. Das Finden habe ich Euch somit schon einmal abgenommen. Anschauen müsst Ihr jetzt aber selbst. »I’d like you to write Punk Rock Warlord. With Warlord being one word.« (Bildquelle: Wikipedia)
»Two turntables and a microphone.« Die wohl knappste, griffigste, was auch immerste Definition von Rap. Zwei Plattenspieler, besampelt und bescratcht vom Diskjockey und ein Mikrofon, gehalten und mit Texten besprochen vom Master of Ceremony. Diesen beiden eigentlich untrennbaren Eckpfeilern des Sprechgesangs mit rhythmischer Begleitung ist der neunte Doppelpack gewidmet. … weiter
Auf der Suche nach Videos für den Artikel zum Pukkelpop 91 bin ich auch über einen Film gestolpert, den ich mangels Videorekorder lange Zeit nicht mehr gesehen hatte: »1991 – The Year Punk Broke«. Dave Markey, ein Freund von Sonic Youth, war seinerzeit gebeten worden, deren Europatour im Sommer 1991 mit der Kamera zu begleiten. Dabei ist eine Doku entstanden, die neben diverser Live-Aufnahmen (u.a. auch von Dinosaur Jr., Nirvana, Gumball und Babes in Toyland) auch einige obskure Backstageszenen enthält. Der mehr oder weniger ironische Titel des Films spielt darauf an, dass Sonic Youth die Zeit gekommen sahen. Für ihren Mainstream-Durchbruch und den ihrer Mitreisenden. Und so falsch haben sie mit ihrer Annahme nicht gelegen: Ein halbes Jahr später hatte es vor allem Nirvana auf die Plattenteller aller Diskos und Jugendheime geschafft. Von Punk war allerdings keine Rede. Die Welt sprach von Grunge.
Zum zwanzigsten Jubiläum dieser Tour haben Sonic Youth angekündigt, den Film Anfang September endlich als DVD herauszubringen. Wer so lange nicht warten möchte, kann sich das Ganze jetzt und hier schon ansehen. Lasst Euch aber dadurch nicht davon abhalten, die DVD zu kaufen. Es soll doch keiner behaupten, wir wären alle nur Ömmesönslömmele.
Ziemlich genau 20 Jahre ist es jetzt her, dass mir dieser unscheinbare weiße Zettel eines meiner besten Festivalerlebnisse beschert hat. Das Pukkelpop 1991 war im Vergleich zu heutigen Veranstaltungen noch sehr überschaubar gehalten. Auf der einzigen Bühne, die an diesem heißen Sommertag in der belgischen Pampa stand, gaben sich dafür aus meiner Sicht fast ausschließlich musikalische Leckerbissen die Klinke in die Hand: Nirvana waren noch ein halbes Jahr von »der Platte mit dem Baby« und dem Durchbruch entfernt. Ride waren unglaublich laut, Dinosaur Jr. unglaublich gut. Black Francis war zufällig in der Gegend und spielte eine Handvoll Pixies-Songs. Sonic Youth machten Dinge mit ihren Gitarren, die ich bis heute nicht verstanden habe. Die Pogues sorgten für Polonaise-Stimmung auf dem gesamten Gelände und die Ramones waren eben die Ramones. Wenn alles gut geht, werde ich noch meinen Enkeln von diesem Tag erzählen. So sah das Ganze damals aus:
Und damit sich jeder auch ein Bild davon machen kann, wie das damals klang, kommen hier noch einige Videos, die ich in den vergangenen Wochen im Netz gefunden habe: Dinosaur Jr. – Freak Scene, Sonic Youth – Schizophrenia, Nirvana – School.
Auf einer kleinen Party neulich ist es mal wieder passiert: Zu vorgerückter Stunde trat einer der Gäste mit einer speziellen Bitte an den Gastgeber heran. »Ich habe da so eine CD mitgebracht. Kannst Du die mal einlegen?« Konnte er. Und plötzlich waren sie alle wieder da, die Lieder, die mir in den 90er Jahren Schauer den Rücken rauf- und runtergejagt haben. Haddaway, Ace of Base, Two Unlimited. Eurodance vom – nun ja – Feinsten. Nur diesmal war alles ein wenig anders. Statt zorniger Schweißausbrüche war da nur dieses Gefühl der Sorte »Es gibt Schlimmeres.« Vielleicht hat mich das Älterwerden doch ein wenig milder gemacht. Oder mir zumindest die Erkenntnis gegeben, dass jede CD einmal zu Ende geht. So war es an dem Abend ja auch. Und das Eurodance-Intermezzo blieb ohne Wiederholung.
Und warum erzähle ich das gerade? Weil mir ein paar der Lieder von der CD jetzt wieder untergekommen sind. In einer etwas anderen Form, allerdings. Geradezu herzeigbar. Aber seht (und hört) selbst:
Es ist schon ein paar Jährchen her, dass ich Rage against the machine live gesehen habe. Pfingsten 1993 war das, auf dem PinkPop-Festival im niederländischen Landgraaf. Bei YouTube kursieren Mitschnitte von der damaligen Fernsehübertragung, die in etwa erahnen lassen, wie sich das Erlebnis damals angefühlt hat. Ich habe seitdem eine Menge wütende Bands gesehen, aber nie wieder hat Zorn so wunderbar gebounced. Nach dem Auftritt fühlte ich mich wie von einer Büffelherde überrollt. Auf eine irgendwie schöne Art. »Anger is a gift.« Stimmt schon irgendwie.
Gestern ist mir dann bei Testspiel.de eine Videoaufnahme untergekommen, die belegt, dass das mit dem bouncenden Zorn wohl nicht von vornherein so gewesen ist. Man munkelt, der Film zeige den allerersten Auftritt von Rage against the machine. Komplett! (Womit der Herr in dem rotkarierten Hemd wohl der weltweite Vorreiter in Sachen »Bei RATM abgehen« wäre.) Der Funke springt nur sehr spärlich zum Publikum über. Trotzdem macht es Spaß, die ganzen Lieder, die wenig später meinen Arsch getreten haben, in ihren Frühfassungen zu hören. Und nur um mal einzuordnen, wie schnell das bei denen damals gegangen ist: Zwischen dem Video da oben und dem hier unten liegen gerade einmal anderthalb Jahre.