Wer rastet, der rostet
Von Ex-Cops, Queens und den Medien
Australien ist so ein großes Land. Da müsste sich doch problemlos die eine oder andere Parzelle finden lassen, die ein rüstiger Rentner beackern kann, wenn ihm die Decke auf den Kopf fällt. Auch in den Städten dürften sich »Down Under« Betätigungsfelder für das Leben nach dem Job auftun: Falschparker aufschreiben beispielsweise. Das füllt das Leben vieler ehemaliger Arbeitnehmer hierzulande schließlich auch mit Sinn. Als ehemaliger Polizist wäre Cliff McHardy dafür ja geradezu prädestiniert. Aber da ist es dem 81-Jährigen nicht nach. Viel lieber holt er einen uralten Kriminalfall aus der Truhe, um ihn nach fast vier Jahrzehnten vielleicht doch noch zu lösen. Dabei ist damals eigentlich gar nichts passiert. Oder zumindest nicht viel. Ein Holzbalken lag 1970 auf australischen Gleisen herum. Jemand hat ihn entfernt und der heran nahende Zug ist einfach weitergefahren. Fertig? Nein, nicht ganz.
Denn in einem der Abteile saß damals ausgerechnet die Queen. Die weiß bis heute nichts von dem Glück, das sie an dem Tag gehabt hat. Genauer gesagt, sie wusste nichts davon. Bis jetzt Mister McHardy, seinerzeit einer der Ermittler, mit der lange geheim gehaltenen Geschichte an die Presse gegangen ist. Nach eigener Aussage treibt ihn die Hoffnung an, den oder die Balkenhinleger endlich zur Strecke zu bringen. Und alle, alle, alle rund um den Globus springen dankbar auf den Zugdie Geschichte. Wirklich alle. Wer war das wohl damals? Im Prinzip ist ja jeder da unten verdächtig. Das war doch einmal eine englische Strafkolonie, da wohnen demnach nur Nachfahren von Verbrechern. Und überhaupt: Hat Prinz Charles eigentlich ein Alibi? Immerhin wäre der dauerhafteste Thronfolger der Menschheitsgeschichte (Das ist wie »ewiger Student«, nur auf royaler Ebene.) im Unglücksfall am Zug gewesen. Bei Shakespeare wäre er sicher im engeren Kreis der Verdächtigen gelandet. Ist aber eigentlich auch egal. Das Ende der Geschichte werden wir aller Voraussicht nach eh nicht mitbekommen. Die Medien müssen weiter, die nächste Panorama-Sau will durchs Dorf getrieben werden. Wie wäre es beispielsweise mit dem rauchenden Tatort-Kommisar? Oder doch lieber Störtebeker’s Puschen? (Bildquelle: flickr.com)
Christoph unter bewusst
Ähnliche Artikel:
