Pottse, mach et!
Britain’s got talent,…
Da hat eine dieser seuchenartig verbreiteten Castingshows also tatsächlich einmal einen sympathischen Sieger hervorgebracht. Das ist jetzt zwar schon ein Jahr her, doch manchmal gehen Dinge des öffentlichen Lebens eben einfach an einem vorbei. Vor allem, wenn sie nicht direkt vor der eigenen Haustür passieren. Dank Telekom-Werbespot wird man dafür jetzt doppelt und dreifach mit der unglaublichen Geschichte dieses britischen Tenors versorgt, der ein weiteres Kapitel in das gute, alte »Vom Tellerwäscher zum Millionär«-Buch geschrieben hat. Ende Dreißig ist der Gute, stammt aus einfachen Verhältnissen und als Kind wollte er Pfarrer werden. Des Singens wegen. Früh hat er in diversen Chören gesungen, bevor ihn ein Blinddarmdurchbruch 2003 beinahe zur Aufgabe dieser großen Leidenschaft gezwungen hätte. Vier Jahre nach dem Blinddarm gelang dann auch dessen Besitzer der Durchbruch. Durch einen Sieg in der TV-Sendung »Britain’s got talent« wurde aus dem unscheinbaren Handyverkäufer auf einen Schlag ein gefeierter Medienstar. Von der ersten Gage hat er seine schiefen Zähne richten lassen und eine Safari mit seiner Ehefrau gebucht. Und obwohl er sich inzwischen feinsten Zwirn leisten kann, hängt der 35-Pfund-Anzug, den er bei seiner Entdeckung trug, noch immer im Kleiderschrank. Denn er ist herrlich bodenständig geblieben, der Mann aus Port Talbot im Süden von Wales.
… Germany’s got the ideas.
Bereits mehrfach habe ich das und mehr in diversen Zeitungen und Magazinen gelesen. Zusätzlich hat mir meine Mutter die wichtigsten Details dieser Aschenputtel-Variation noch einmal in epischer Breite nacherzählt. Und ich freue mich für den Mann. Ehrlich. Nur eine Sache finde ich etwas befremdlich: seinen Namen. Genauer gesagt eine Assoziation, die mich bei dessen Klang überkommt. Sagt jemand Paul Potts – und das geschieht derzeit ziemlich oft – muss ich sofort an die Roten Khmer und ihren ehemaligen »Bruder Nummer 1« denken. (Auch wenn der nicht so ergreifend geträllert haben wird. War ja ohnehin alles andere als ein ausgewiesener Schöngeist.) Auf den ersten Blick ist das sicherlich eine höchst unangenehme Verwechslung. Genauer betrachtet birgt sie aber enormes, marketingträchtiges Potential. Der Dead Kennedys Klassiker »Holiday in Cambodia« gäbe doch eine schöne B-Seite für Startenor Pauls nächste Singleauskopplung ab. Inbrünstig, mit getragener Sinfonieorchesteruntermalung zum Besten gegeben und als Höhepunkt der Nummer ein Wechselgesang mit Chor. Er: »Pol«, der Chor: »Pot«. Wahlweise auch: »Paul« und »Potts«. Die Scheibe ginge weg wie warme Semmeln. Deutschlands Chefcaster Dieter Bohlen würde sich schwarz ärgern, dass ihm dieser Coup durch die Lappen gegangen ist. Und alleine dafür würde es sich schon lohnen. Also, Paul. Mach et! (Bildquelle: flickr.com)
Christoph unter den nägeln
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