Apr 12 2011

Aus Scheiße Gold

© metaplot

Kann man mit dem Hass anderer Leute Geld machen? Aber sicher doch. Im Grunde muss man da nur einen Geschäftsmann fragen, der im Nahen Osten Fahnen der westlichen Welt verkauft. Beispielsweise nach dem Erscheinen der Mohammed-Karikaturen im Jahr 2005 dürften sich er und seine Kollegen ein goldenes Näschen an dänischen Flaggen verdient haben. Schließlich kann man jede Fahne nur genau einmal verbrennen. Etwas weniger religiös, aber ähnlich ergiebig ist wohl die Produktion von Schmäh-Schals für Fußballfans. Sieht man sich in den hiesigen Stadien um, wird schnell klar, dass Strickwaren mit Aufschriften Marke »Mit Essen spielt man nicht«, »Was ist grün und stinkt nach Fisch?« oder schlicht »Scheiß Waldhof Mannheim« ausreichend Abnehmer finden.

Seit kurzem existiert auch im Internet ein Modell, um fremden Zorn in ein bisschen Bling-Bling zu verwandeln. Angenehmer Nebeneffekt: Man wird so auch noch die Troll-Kommentare im eigenen Blog los. Dafür muss man sich lediglich dem Netzwerk anschließen, das sich auf dieser Seite zusammengefunden hat. Wordpress-Benutzer können dann nach dem Installieren eines entsprechenden Plugins allen digitalen Sprachmüll unmittelbar an hatr.org schicken. Dort wird das Ganze ungebremst veröffentlicht. Die Werbung auf der Seite bringt ein wenig Geld ein, das für einen guten Zweck verwendet wird. Dieser gute Zweck wird innerhalb des Netzwerks abgestimmt. Klingt super, hat im Moment noch zwei kleine Häkchen: Zum einen läuft das Projekt noch in der Beta-Phase, weswegen man nur auf Einladung in die Community kommt. Zum anderen ist die Idee für diese Seite auf dem Gendercamp 2010 entstanden. Das führt dazu, dass momentan vor allem Blogs vernetzt zu sein scheinen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Die veröffentlichten Kommentare jedenfalls sind im Moment noch sehr monothematisch und daher für den Leser auf Dauer etwas wiederholungsintensiv. (Vielleicht sollte man auch nicht so viele Troll-Kommentare auf einmal lesen.) Das wird sich aber in Zukunft vielleicht noch ändern.

UPDATE: Sebastian Vollnhals (Was für eine grandiose Anonymisierung! Also, echt jetzt.) im Interview mit der taz. Der Schwerpunkt wird bis auf weiteres auf Kommentare aus feministischen Blogs gelegt.

Christoph unter haltsam

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Ein Kommentar zu “Aus Scheiße Gold”

  • nooßa meint:

    “Ich mag Frauenbewegungen, wenn sie rhythmisch sind.”

    Vielleicht wäre das ein möglicher Anfang, um eine Außendependance der Seite auf Metaplot zu starten….
    (Kommentare für lau, Beta, ihr wisst schon)

    by the way: cooles Shirt!

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