Apr
16
2013
Eisschlange und Westpark

© Metaplot
Es gibt da diesen Uralt-Witz, der vermutlich mehr über die Aachener aussagt, als über das Aachener Wetter:
Woran erkennt man in Aachen, dass der Sommer vor der Tür steht?“
„Der Regen wird wärmer.“
Dabei gibt es hier viel deutlichere Zeichen für den Beginn der warmen Jahreszeit.
Die Schlange vor einer der bekanntesten Eisdiele der Stadt etwa, die Ausmaße annimmt, die an UN-Hilfslieferungen in Notstandsgebiete erinnert. In direkter Nachbarschaft am Karlsgraben gelegen, reicht die Schlange der Eisdiele vormittags bis an die Jakobskirche. Bei meiner Rückkehr von der Arbeit ist sie nur unverhältnismäßig kürzer. Gestern Abend meine ich sogar zwei Personen ausgemacht zu haben, die am Morgen auch schon auf Eis gewartet hatten. Oder standen die immer noch da?
Warum tun Menschen sich so was an? … weiter
Amien unter schätzt | Kein Kommentar
Feb
26
2013
Nathan Sawaya zeigt, was alles möglich ist

© Ivan Lian
Im Prinzip waren die Umstände schuld. Vor allem der Mangel an Steinen. Wie oft saß ich in meinem Kinderzimmer, von der Vollendung des maßstabsgetreuen Nachbaus der Hagia Sophia oder des Kölner Doms nur einen Lego-Vierer entfernt. „Was aus mir alles hätte werden können“ – dieser Klageruf eines jeden mittelmäßigen Menschen begleitet auch mein Leben auf Schritt und Tritt. Er hämmert immer dann besonders stark an die Innenwand meines Schädels, wenn mal jemand zeigt, was alles möglich ist. Wenn, ja wenn die Umstände stimmen. … weiter
Amien unter haltsam | Ein Kommentar
Jan
11
2013
Den schnellsten Weg an unbekannte Orte weisen, alte Schulfreunde aus der Versenkung holen, die richtige Musik zum richtigen Zeitpunkt spielen: Dieses Internet kann schon eine ganze Menge toller Sachen. Eine seiner im Allgemeinen recht unterschätzten Fähigkeiten ist die Beantwortung von Fragen, die man höchstwahrscheinlich nie im Leben gestellt hätte. Etwa die, wie viele Menschen sich jetzt gerade im Weltall befinden, mit der sich die Seite howmanypeopleareinspacerightnow.com – ja, da weiß man, was man hat – beschäftigt. Für besonders neugierige Gäste bieten deren Betreiber neben der immer aktuellen Zahl auch noch Links zu den Quellen, bei denen sie die entsprechenden Angaben gefunden haben. So kann jeder noch einmal exakt nachrechnen, wie viele Menschen gerade im Weltall unterwegs sind. Ob man sich das ohne diese Seite jemals gefragt hätte, ist an dem Punkt natürlich längst egal.
Christoph unter falscher flagge | Kein Kommentar
Jan
8
2013

© Blog do Planalto
Presseschau zu den Wulffs
Ein Paar trennt sich. Eigentlich nichts besonderes, wenn dieses Paar nicht Bettina und Christian Wulff heißen würde. Weil der Ex-Bundespräsident und die Ex-First-Lady sich Lebewohl sagen, dürfte heute wohl jede Zeitung in Deutschland von dem Eheaus berichten. Ist in Ordnung, ebenso, wie man meines Erachtens auch ein paar Zeilen über das Eheende von Sylvie und Raphael van der Vaart verlieren konnte. Da bin ich wahrlich kein Verächter von Boulevardkost. Das Problem bei den Wulffs ist aber, dass ein Teil des Paares mal Politiker war, weshalb nicht wenige Journalisten wohl dachten: „Moment, der war mal Politiker? Da könnte ich doch einen Kommentar schreiben.“ … weiter
Amien unter den nägeln | Ein Kommentar
Jan
7
2013
Nicht nur Teenager in Not
Im Prinzip ist zum Thema Scripted Reality alles gesagt. Messie-Alarm, Mitten im Leben, Die Super-Nanny und, und, und. Gäbe es da nicht dieses neue wundervolle Format „Teenager in Not“, das es versteht, verschiedene Scripted-Reality-Formate virtuos miteinander zu verbinden. Es gibt Messie-Elemente, Parallelen zur Super-Nanny sind durchaus erwünscht, ab und an wird auch mal die Bude renoviert und häufig fühlt man sich an das Model und der Freak erinnert. Das Model ist in diesem Fall die Moderatorin, die man zweifelsohne als blonden Schuss bezeichnen kann. Da sie aber eine Pädagogin spielt ist, bedient sich RTL2 zweier raffinierter Tricks, um beim einfach gestrickten Zuschauer Blondes-Dummchen-Vorurteilen vorzubeugen. Dabei ist von Vorteil, dass das Moderatoren-Blondchen über einen Doktortitel verfügt (doch, ehrlich). So etwas vermittelt ungeachtet der jüngsten Diskussionen um erschlichene Dissertationen Seriosität. Dr. Sarah Sophie Koch kann kein blondes Dummchen mit höchst fragwürdigen pädagogischen Methoden sein. So denkt zumindest RTL2. … weiter
Amien unter irdisch | Kein Kommentar
Dez
18
2012
Wer zu diesem Konzert möchte, muss sich nicht unbedingt beeilen. Die Aufführung des Stücks »Organ²/ASLSP« aus der Feder des US-amerikanischen Komponisten, Klangexperimentalisten und was nicht sonst noch alles John Cage (1912-1992) in der Burchardikirche zu Halberstadt hat zwar schon vor einiger Zeit begonnen. Sie wird aber auch noch eine ganze Weile andauern. Denn »ASLSP« steht für: as slow as possible. Mit der Frage, wie langsam denn »so langsam wie möglich« tatsächlich ist, beschäftigen sich Musikwissenschaftler und Orgelbauer, seit Cage dieses Stück Mitte der 80er Jahre erschaffen hat. Und weil deren Beantwortung weit über Musiktheorie und Spieltechnik hinausgeht, haben sich längst auch Theologen und Philosophen ihrer angenommen. Schließlich tangiert »Organ²/ASLSP« auch Aspekte, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. Was ist Zeit? Was die Ewigkeit? Im Grunde wäre das Spielen dieses Stücks bis in die Unendlichkeit hinein denkbar. So sagt zumindest die Theorie.
In der Praxis wollen es die Menschen hinter dem John-Cage-Orgel-Kunstprojekt in Halberstadt allerdings nicht übertreiben. 639 Jahre, so meinen sie, sollen fürs Erste reichen. Dieses Alter hatte die Domorgel auf dem Buckel, als auf ihr im September 2001 der erste Ton der Cage-Komposition erklang. Ebenso viel Zeit soll nun während dessen Aufführung vergehen. Aufs große Ganze betrachtet, hat das Konzert also gerade erst begonnen. Aktuell wird Impuls 13 gespielt, ein mäandernder Dreiklang aus a, c und fis. Der nächste Klangwechsel ist für den 5. Oktober 2013 vorgesehen. Sollte man es dienstags bis sonntags zwischen 12:00 und 16:00 Uhr nicht in die Burchardikirche schaffen, lässt sich der aktuelle Ton auch im Internet anhören.
Christoph unter falscher flagge | Kein Kommentar
Dez
10
2012
Der Countdown tickt

© Metaplot
Gleich zwei Mal wird dieser Tage im nächsten METAPLOT-Umfeld Geburtstag gefeiert. Ende November jährte sich der METAPLOT-Startschuss zum vierten Mal. In Zeiten, in denen aufgrund von Finanz- und Staatsschuldenkrise grenzenloses Wachstum zu Recht infrage gestellt wird, verbuchen wir die zähe Entwicklung der Besucherzahlen als Erfolgsgeschichte. Klickgier und Medienhype. Damit kann und will METAPLOT nichts zu tun haben.
Viel wichtiger ist auch der zweite Jubeltag. Christoph wird 39. Und zwar genau heute. An Dramatik gewinnt dieses Wiegenfest dadurch, dass es der letzte Geburtstag eines METAPLOTERS mit der inzwischen liebgewonnenen 3 am Anfang ist. Im kommenden Jahr werden wir alle 40. Das Schöne ist, dass unser Nesthäkchen aufgrund der Gnade der späten Geburt noch ein Jahr Zeit hat. Und so lange nicht jeder von uns 40 ist, dürfen auch wir anderen uns ein wenig wie 39 fühlen. Danke dafür.
METAPLOT unter den nägeln | Ein Kommentar
Sep
20
2012
Wirtschaftliche Perspektiven für den islamischen Raum

© pooyan
Alles, aber auch wirklich alles ist schmähvideo-technisch inzwischen besprochen worden. So scheint es zumindest. Denn ein Aspekt wurde in der öffentlichen Debatte um den Film „Die Unschuld der Muslime“ bislang sträflich vernachlässigt. Nennen wir es die Flaggen-Ökonomie. Denn eines ist klar, neben extremistischen Hetzern dürfte sich vor allem eine Branche über den Gewaltausbruch gefreut haben: das flaggenproduzierende und -handelnde Gewerbe. … weiter
Amien unter schätzt | Ein Kommentar
Aug
21
2012
Würdet Ihr Eure belichteten Filme/Speicherkarten diesem Laden zum Entwickeln/Bearbeiten anvertrauen?

Christoph unter haltsam | Kein Kommentar
Aug
18
2012
Die verbitterte Abrechnung

© florianplag
Die Laufbahn von MC Rene als Karriere zu bezeichnen wäre vermutlich übertrieben. Der Rapper aus der Nicht-Gerade-Hip-Hop-Hochburg Braunschweig ist ein Kind der ersten deutschen Reimgeneration. Er verdiente sich Anfang der 90er Jahre erste Sporen auf Jams und galt ganz kurz als das nächste große Ding – in einer Zeit wohlgemerkt, in der es was deutschen Rap angeht viele nächste große Dinger gab. Es folgten fünf Alben, Moderationen mit Oliver Pocher sowie beim Hip-Hop-Magazins Mixery Raw Deluxe und eine Kollaboration mit DJ Tomekk, die ihn wohl das letzte Stück Szenen-Credibilität verlieren ließ. Alles in allem also nicht der Rede wert.
Wenn es da nicht „Die Enthüllung“ aus dem Jahr 2005 gäbe. Ein Stück, das rückblickend als eine Art letztes Aufbäumen verstanden werden kann. Reen, so nannte er sich inzwischen, war Ende Zwanzig und schien den Traum davon, es doch noch einmal mit der Musik zu schaffen, noch nicht aufgegeben zu haben. Er packte seine ganze Wut über dissende Kollegen und die Ungerechtigkeiten der Branche, wenn nicht der ganzen Welt, in den Track und ließ seine „Karriere“ Revue passieren. Unterbrochen wird die Abrechnung lediglich von Zwischenansagen des damals aufstrebenden und äußerst credibilen Sido. Herausgekommen ist „Deutschlands längster Solotrack“, der obwohl oder gerade weil er so selbstgerecht und verbittert ist, zu Herzen geht.
Und was macht MC Rene jetzt? Vor zwei Jahren kündigte er sowohl seinen Job im Callcenter als auch seine Wohnung, kauft sich eine Bahncard 100 und reiste als Hip-Hop-Comedian durch Deutschland. Darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben und – man glaubt es kaum – auch wieder einen Track aufgenommen. Das Leben ist und bleibt eben ein Struggle. (Bildquelle: Flickr)

Amien unter schätzt | Kein Kommentar